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Geologische Beobachtungen im Kaltwassertal in Kärnten

Eder, Wilhelm

Kurzfassung

Das Kaltwassertal gehört zu dem von Italien annektierten Teil Südkärntens. Es mündet in das Schlitzatal ein, in dem das geologisch so berühmte Raibl mit seinem alten Bergbau liegt. An landschaftlicher Schönheit ist es den bekanntesten Tälern der Ostalpen gleichzustellen. Berge von großartiger Kühnheit der Form umdräuen es. Es schließt ab mit einem gewaltigen, felsumstarrten Kessel, aus dem der Wischberg (2666 m) mit einer Mauer von 1600 m Höhe emporwuchtet. Beim Besuch jenes Tales drängen sich vor allem zwei Fragen in den Vordergrund: Die Entstehungsgeschichte und die geologischen Vorgänge der Jetztzeit. Wenn man in den Alpen mehr als anderswo dazu angeregt wird, den rezenten geologischen Kräften Beachtung zu schenken, so bietet sich gerade dort eine besonders gute Gelegenheit. Das Kaltwassertal erstreckt sich in der Hauptsache südnördlich und biegt erst in seinem unteren Drittel ostwestlich gegen das Schlitzatal ein. Wie die Kartenskizze zeigt, prägt sich der Talverlauf deutlich in den umgrenzenden Bergzügen aus. Da der obere Teil des Tales, wie gezeigt werden soll, nicht der Erosion seine Entstehung verdankt, so hat die ostnordöstliche Orientierung der Wasserader in ihrem Oberlauf nichts mit dem Talverlauf zu tun. Sie ist vielmehr etwas Sekundäres und von den Schuttmassen des breiten Talabschlusses beeinflußt. Die Länge des Tales beträgt nicht ganz 5 km. In den oberen beiden Dritteln, bis zur Umbiegung aus der S-N-Richtung in die O-W-Richtung, hat der ebene Talgrund eine durchschnittliche Breite von 200 m. Das Gefälle ist in diesem Abschnitt gering, es beträgt auf 3 km 100 m. Schon äußerlich gibt sich kund, daß das Tal aus zwei verschiedenartigen Stücken besteht: Der obere Teil länger, S-N gerichtet, mit breiter, flacher Sohle und geringer Neigung, der untere Teil kürzer, O-W gerichtet, mit V-förmigem Querschnitt und einem Gefälle von 100 m auf 1,5 km. ...