Original paper

Über Schwefelwasserstoff in Karbonkalksteinen des Donezbeckens

Samojloff, J. V.; Silberminz, W. A.

Kurzfassung

Die in den Gesteinen eingeschlossenen Gase erwecken in mancher Beziehung reges Interesse. Ohne Zweifel spielen sie eine wichtige Rolle im Verlauf einer Reihe von geochemischen Prozessen. Infolge der Schwierigkeiten, welche der Nachweis von Gasen bereitet, entziehen sie sich aber während des üblichen Ganges der mineralogischen Arbeiten sehr oft der Aufmerksamkeit des Forschers. Eine Methodik der Gasuntersuchung besaß der Mineraloge bisher nicht und viele Grundprobleme, welche die Mineralogie der Gase betreffen, harren daher noch der Lösung. Selbstverständlich lenken zu allererst diejenigen Gase unsere Aufmerksamkeit auf sich, welche verhältnismäßig leicht und unmittelbar von unseren Gefühlsorganen, wohl am ehesten vom Geruchsinn, wahrgenommen werden können. Es ist daher nicht zu verwundern, daß der in den Gesteinen enthaltene Schwefelwasserstoff eins der ersten Gase war, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenkten. Schon seit langem erkannten die Forscher Spuren von Schwefelwasserstoff, der sich beim Zerschlagen der Gesteine ausscheidet. Bei den Kalksteinen führte sogar eine sorgfältige Zusammenstellung der zahlreichen Fälle des Auftretens von Schwefelwasserstoffgeruch (in den meisten Fällen jedoch ohne analytischen Nachweis) bei verschiedenen mechanischen Einwirkungen, wie Schlagen, Reiben, Ritzen, Stampfen, zur Ausscheidung einer besonderen Gruppe der sogenannten ,Stinkkalke". Freilich schließt die Gruppe der Stinkkalke auch solche Gesteine ein, welche Gase mit scharf abweichendem Geruch, von den Forschern als Naphta- oder bituminöser Geruch bezeichnet, ausscheiden. In diesem Falle ist es schwer, nach dem Geruch allein festzustellen, ob hier auch Schwefelwasserstoff vorhanden ist, der durch das Gemisch der übrigen Gase verschleiert wird, oder ob er gänzlich fehlt. Sogar in den Fällen, wo ausdrücklich auf Schwefelwasserstoffgeruch hingewiesen wird (und solcher Hinweise bezüglich der Kalksteine gibt es unendlich viele) ist ein Irrtum nicht immer vollkommen ausgeschlossen, da unser Geruchsorgan, das hier ausschlaggebend ist, mit vielen methodologischen Mängeln, wie leichter Ermüdung, wechselnder Empfindsamkeit u.a. behaftet ist. ...