Original paper

Zur Kohlenpetrographie und Kohlenentstehung

Potonié, Robert

Kurzfassung

Was uns die mikroskopische Untersuchung der Kohle lehrt, deckt sich vielfach in noch nicht hinreichend befriedigender Weise mit dem Bilde, das man sich von der Entstehung der Kohle gemacht hat. Wohl sehen wir im großen und ganzen klar, man wagt indessen allzu oft, bis ins einzelne gehende Hypothesen aufzustellen, ohne sich dabei um die Mikroskopie der Kohle zu kümmern. Umgekehrt werden aus dem mikroskopischen Bilde Schlüsse über die Beschaffenheit des Ausgangsmaterials der Kohle gezogen, für die wir - wenigstens vorläufig - noch keine rezenten Belege kennen. Lignitoid: Nach Thiessen (1920) ist der glänzende Bestandteil der paläozoischen Steinkohlen inkohltes Holz. Thiessen nennt ihn deshalb Anthraxylon. Er schließt sich hiermit der Anschauung von Jeffrey, der (1914) die glänzenden Streifen der Kohle als Lignitoid bezeichnete. Hiermit sollte zum Ausdruck gebracht werden, daß die glänzende Substanz aus Holz hervorgegangen sei. Da der Terminus Lignitoid zuerst geprägt worden ist, muß der Ausdruck Anthraxylon auf Grund des Prioritätsgesetzes fallen gelassen werden; so bleibt also allein der Begriff Lignitoid für die eine Holzstruktur aufweisenden Teile der Steinkohle bestehen. Es fragt sich nun, ob tatsächlich alle glänzenden Bestandteile der Steinkohle restlos aus typischem Holz hervorgegangen sind. Ausgegangen ist diese Ansicht wohl von der Tatsache, daß bereits ältere Forscher auf den natürlichen Schlechten und auf dem Bruch der Glanzkohlen eine Holzmaserung zu erkennen glaubten. Diese Maserung ist manchmal tatsächlich zu beobachten (Kohle von Commentry). Man hat sich indessen des öfteren täuschen lassen, so daß A. Petzoldt 1882 in seinem ,Beitrag zur Kenntnis der Steinkohlenbildung" schrieb: ,Daß die Steinkohle einst weich und flüssig war, wird zunächst durch ihren muscheligen Bruch bewiesen, der oft so deutlich ist, daß nicht selten Laien und Gelehrte meinen, ein Stück Holz vor sich zu haben, an welchem man die Jahrringe deutlich bemerken könne". ...