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Die gegenseitige Verschiebung von Wasserhülle und Festland als Folge von Zentrifugalreaktionen am Erdellipsoid und ihre geologischen Wirkungen

Teumer, Th.

Kurzfassung

Die Arbeit von W. Köppen und A. Wegener: ,Die Klimate der geologischen Vorzeit" hat es nicht vermocht, eine Aussöhnung in den widerstreitenden Ansichten über Erdpolverlagerungen herbeizuführen. Jedenfalls ist die Zustimmung im Lager der Geographen und Geologen durchaus keine allgemeine und das liegt wohl großenteils an der von A. Wegener vorausgesetzten Verschiebung der Kontinente. Problemstellungen vom Eiszeitkaliber, die der Phantasie weiten Spielraum lassen, müssen immer wieder ohne Vorurteil erwogen werden. Bei aller Vorsicht wird man jedem neuen Hinweis auf eine Möglichkeit zur Lösung des Fragenkomplexes eine gerechte Kritik widerfahren lassen müssen. Im folgenden möchte ich, ohne auf Einzelheiten einzugehen, auf einige Zusammenhange aufmerksam machen; Zusammenhänge, die etwas abseits von all den sich vielseitig durchkreuzenden Erklärungsversuchen liegen und doch zu ihnen hinführen und die besonders in enger Beziehung zur Frage der Tektonik stehen. Alle tektonischen Vorgänge in der Erdkruste werden der Hauptsache nach in orogenetische und epirogenetische Bewegungen unterschieden, wobei zwischen beiden eine scharfe Grenze nicht immer gezogen werden kann. Stille stellt einem orogenetischen Zeitgesetz eine epirogenetische Gleichzeitigkeitsregel parallel. Bei den epirogenetischen - jenen schwierig zu erklärenden, schwachen, die Struktur der Gesteinsmassen unverändert lassenden - Oberflächenveränderungen hat sich (nach Stille) auf Grund statistischer Feststellungen eine erhebliche gleichzeitige Gleichsinnigkeit in verschiedenen Erdgebieten ergeben. Es fragt sich aber, ob Verschiebungen von Festlandsgrenzen gegenüber der Wasserhülle nicht auch andere als tektonische Ursachen haben können. Die Frage, ob alle bisher unter Epirogenese verstandenen, d. h. alle jene ,erdweit" sich äußernden, durch gleichzeitige Gleichsinnigkeit charakterisierten Veränderungen zur Tektonik überhaupt in Beziehung stehen, muß aufgeworfen werden schon deshalb, weil eben alle am Spiegel der Ozeane verglichenen Bewegungen im ,Auf und Ab" einen rein relativen Charakter tragen; relativ insofern, als alle Höhenangaben der Festländer nicht auf den Mittelpunkt der Erde, sondern auf ,Normalnull" bezogen werden. ...