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Über Fährten von Landwirbeltieren im Karbon des Ruhrbezirks

Kukuk, P.

Kurzfassung

Obwohl Fährten von Landwirbeltieren in den karbonischen Ablagerungen Nordamerikas, Frankreichs, Böhmens, Sachsens u. a. Länder häufigere Erscheinungen darstellen, scheinen diese wichtigsten Lebensäußerungen fossiler Tiere innerhalb des ausgedehnten nordwesteuropäischen Kohlengürtels nach der Literatur sehr selten zu sein. M. W. sind Fährten aus diesem großen paralischen Becken sogar nur einmal, und zwar von Binney aus dem Millstone Grit von Tintwistle in Cheshire beschrieben worden. Für die Seltenheit scheint auch die Tatsache zu sprechen, daß die eingehenden Untersuchungen Pruvost über die Fauna der nordfranzösischen Bezirke des Pas du Nord und des Pas de Calais keinen Anhalt für das Auftreten irgendwelcher Landwirbeltiere im Karbon gegeben haben. Und doch möchte ich glauben, daß ihr Vorkommen gar nicht so selten ist, daß sie vielmehr bislang übersehen worden sind. Der Beweis für meine Annahme wird im nachstehenden gebracht. Ende des Jahres 1923 erhielt ich durch die Betriebsleitung der Zeche Präsident bei Bochum die mich sehr überraschende Mitteilung, daß beim Nachreißen einer Richtstrecke in der obern Magerkohlengruppe auf der 7. (-432 m) Sohle eine Sandsteinplatte mit erhabenen Abdrücken von Tierfährten freigelegt worden sei. Eine sofort vorgenommene Untersuchung ergab, daß auf der Unterseite einer Sandsteinplatte zahlreiche hochreliefartig herausgewölbte Fußabdrücke vorhanden waren, die zwei einigermaßen parallel verlaufenden Fährten zweier verschieden großer, aber gleichartiger Vierfüßer angehören mußten. Irgendwelche anderen charakteristischen Begleiterscheinungen oder Skelettreste, Koprolithen u. a. konnten nicht beobachtet werden. Es zeigte sich weiter, daß nur die Oberplatte erhalten geblieben war, während die Unterplatte aus sandigem Schieferton mit dem ursprünglichen Fährteneindruck beim Nachreißen der Strecke zerstört worden war. Die wenigen von mir noch aufgefundenen, aber völlig in Stücke zerfallenen Beste dieses Schieferpäckchens ließen keine zusammenhängenden Fährteneindrücke (Hohlspuren) mehr erkennen. ...