Original paper

Über einige Ergebnisse meiner geologischen Reisen in Kolumbien.

Stutzer, O.

Kurzfassung

Kolumbien besteht aus zwei verschiedenen Teilen, aus dem gebirgigen Andenland im Westen und aus den ebenen Llanos im Osten. Meine Reisen bewegten sich im Andenland. Vor zwei Jahren veröffentlichte ich im ,Neuen Jahrbuch für Mineralogie und Geologie" einen Überblick über den geologischen Aufbau Kolumbiens. Die Reisen der letzten beiden Jahre haben unsere Kenntnis erweitert. Einige der neuen Ergebnisse seien hier mitgeteilt. Zur Stratigraphie. Die ältesten fossilführenden Sedimente, die man in Venezuela, Ekuador und Kolumbien bisher kannte, gehören der Kreide an. Das wichtigste stratigraphische Ergebnis meiner Reisen ist das Auffinden eines fossilreichen Paläozoikums. Ich entdeckte dies anläßlich des Besuches einer Kupfergrube in der Nähe von Gachalá. Es liegt dieser Ort drei Reisetage östlich von Bogotá, nahe den Llanos. Das Paläozoikum besteht hier aus Sandstein und Kalkstein, welch' letzterer gut erhaltene Fossilien, vorwiegend Brachiopoden, wie Spiriferen und Produkten, aber auch Crinoiden enthält. Der Sandstein zeigt Kreuzschichtung. Zwei Lagen in der hangenden Schichtgruppe führen Pflanzenreste, darunter Cordaites, Neuropleris, Spenophyllum. Diese neu entdeckten paläozoischen Schichten scheinen auf Kreide hinaufgeschoben zu sein. Die Bearbeitung der mitgebrachten tierischen Fossilien hat Herr Gerth in Leyden übernommen, die der wenigen Pflanzen Herr Kräusel in Frankfurt. Nach der vorläufigen Bestimmung handelt es sich um Karbon, und zwar um Oberkarbon. Bevor dieser Fund gemacht wurde, galt als älteste fossilführende Formation in Kolumbien, Venezuela und Ekuador: Kreide. Zwar war es schon immer bekannt, daß die Kreide diskordant auf älteren Sedimenten ruht, aber das Alter dieser älteren Sedimente ließ sich nicht bestimmen, da Fossilien fehlten. Diese älteren Sedimente bestehen aus Tonschiefer, denen wenig Kalkstein eingelagert ist. In Venezuela nennt man derartige Schichten unbekannten Alters häufig ,Caracas-Formation", weil sie in der Nähe von Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, vorkommen. ...