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Über die Zulässigkeit kolloidchemischer Deutung für gewisse geologische Vorgänge.

Behrend, Fritz

Kurzfassung

Eine Reihe geologischer Vorgänge wird gewöhnlich auf rein kolloidchemischer Grundlage gedeutet, obwohl die tatsächlich verlaufenden Reaktionen großenteils echte chemische und nur oft zum geringeren Teil kolloidchemische sind. Es erscheint daher notwendig, diese Reaktionen genauer zu gliedern, als das bisher geschehen ist. Die Verwitterung ist so recht eine Domäne der Kolloidbildung im geologischen Geschehen. Nehmen wir als einfachstes Beispiel die tonige Verwitterung eines Orthoklases K2O · Al2O3 · 6SiO2. Nach der heute üblichen Annahme bilden sich aus ihm bei der Lösung durch die Hydrolysewirkung des Wassers die drei Molekühlkomplexe 2 KOH, AlO · OH bis Al (OH)3, je nach der Wasseraufnahme, und 6 SiO2 · xH2O. Das Koh geht molekular in Lösung, während nach der heute allgemein üblichen Anschauung das Aluminium-Hydroxyd und die Kieselsaure sofort kolloide Lösungen bilden, die durch ihre entgegengesetzte elektrische Ladung sich gegenseitig ausfällen, und, wie es bei Kolloiden üblich ist, schwanken diese Reaktionsprodukte in ihrer Zusammensetzung in ziemlich weiten Grenzen, so daß die Aufstellung einer chemischen Formel unmöglich wird. Wiegner in Zürich hat diese Anschauung am präzisesten vertreten. Tatsächlich liegen aber die Verhältnisse durchaus nicht so einfach, sondern die Reaktionen sind im Gegenteil ziemlich kompliziert. Sole entstehen bekanntlich entweder durch Dispersion oder durch Kondensation. Dispersionsvorgänge sind solche, bei denen entweder z.B. ein Metall durch den elektrischen Flammenbogen unter Wasser zerstäubt wird, dann erhält man ein Metallsol; oder solche Vorgänge, bei denen ein vorhandenes Gel oder ein bis zur kolloiden Feinheit zerriebenes Pulver mit geeigneten Elektrolyten behandelt wird, so daß Peptisation eintritt. Solche Dispersionsvorgänge kommen hier nicht in Frage. ...