Original paper

Die Grundzüge der Schollentektonik Südwestafrikas

Stahl, Alfred

Kurzfassung

In etwa dreijähriger Tätigkeit habe ich in den verflossenen Jahren den Norden unserer ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika kennengelernt. Die geologischen Ergebnisse meiner Reisen im einzelnen werde ich demnächst bekanntgeben, heute möchte ich im großen Zusammenhange ein Problem in den Vordergrund stellen, das, wie ich glaube, allgemeineres Interesse beanspruchen kann: das sind die großen Züge der Schollentektonik des Landes. Südwestafrika galt bekanntlich bisher gegenüber anderen Teilen des ,schwarzen" Kontinentes als tektonisch recht eintönig, m. E. aber zu Unrecht. Das scheinbar so einfach gebaute Land weist eine Schollentektonik auf, die an Großartigkeit nichts zu wünschen übrig läßt und sich hinter der Ost- und Zentralafrikas keineswegs zu verstecken braucht. Ehe ich aber auf dieses Problem näher eingehen kann, muß ich zuvor wenigstens einen kurzen Überblick über die stratigraphischen Verhältnisse des Landes geben, da ich deren Kenntnis nicht allgemein voraussetzen kann, und zumal meine Auffassung sich auch nicht in allen Punkten mit der herkömmlichen deckt. Den Sockel des Kontinentes bildet in ganz Südafrika im weiteren Sinne das kristalline Grundgebirge, in der deutschen Literatur gewöhnlich als ,südafrikanische Primärformation" bezeichnet. Das Grundgebirge bildet weder eine petrographische noch wahrscheinlich eine stratigraphische Einheit, und es hat deshalb nicht an Gliederungsversuchen gefehlt. Man stellt gewöhnlich zwei Gruppen einander gegenüber: einen ,Gneis-Granit-Horizont" und einen ,Gneis-Schiefer-Horizont". Ersterer ist charakterisiert durch konkordante Gneisinjektionen, die die Faltung des Grundgebirges mitgemacht haben, die sog. ,mixed rocks" der südafrikanischen Geologen, letzterer wird lediglich von z.T. riesenhaften granitischen Intrusionen von diskordantem Intrusionsverband durchdrungen, die wahrscheinlich im Anschluß an die Faltung der Schiefer aufdrangen. Auch der Gneis-Schiefer-Horizont weist wieder in sich viele petrographische Sondergruppen auf, die einmal durch das Vorherrschen des kristallinen Schiefertypus, auf der anderen Seite durch markante Entwicklung kristalliner Kalke und Quarzite charakterisiert sind. ...