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Der Assalsee in Somaliland und seine Bedeutung für die Erklärung der Entstehung mächtiger Salzlager

Fulda, Ernst

Kurzfassung

Die sogenannte Barrentheorie, die Ochsenius unter Benutzung älterer Arbeiten von Lyell, Hugh Miller und Bischof aufgestellt hat, soll vor allen Dingen erklären, wie in einem Ablagerungsbecken von mäßiger Tiefe aus zuströmendem Meereswasser eine Salzlagerstätte von großer Mächtigkeit entstehen kann. Als klassisches Beispiel für diese Theorie ist immer der Adschi-Darja-Busen des Kaspischen Sees mit dem schmalen Zugang Karabugas angeführt worden. Neuerdings hat Dégoutin ein neues Beispiel für die Entstehung von Salz aus Meereswasser beschrieben, dessen Bedeutung für die allgemeine Geologie der Salzbildung hervorgehoben zu werden verdient. Es handelt sich um den Assalsee, auch Bahr-el-Assal genannt, der in Französisch-Somaliland (zwischen Erythrea und Britisch-Somaliland) an der Küste des Golfs von Aden gelegen ist, der seinerseits mit dem Golf von Tadjura am weitesten nach Westen in das afrikanische Festland eindringt. An den Golf von Tadjura schließt sich die Bucht von Goubet-Kharab an, die auf allen Seiten von jungvulkanischen Erhebungen umgeben wird, welche 100 bis 400 m Höhe erreichen. Von dieser an der Westspitze des Golfes gelegenen Bucht erreicht man in westlicher Richtung den Assalsee, der 15 km landeinwärts liegt. Die Pässe, die zu beiden Seiten eines Vulkankegels dorthin führen, erreichen 120 m Höhe über dem Meeresspiegel. Der See liegt gleichfalls in einer aus jungvulkanischem Material aufgebauten Umgebung und wird von einem 50 bis 500 m breiten weißen Bande umgeben, das aus einer 5-12 m mächtigen Gipsschicht besteht. Die Oberfläche des Sees liegt etwa 160 m unter dem Meeresspiegel. Seine Gestalt ist ungefähr die eines Rechteckes von 10 km Breite und 12 km Länge. Die östliche, der Bucht von Goubet-Kharab zugewandte Hälfte des Sees ist mit einer konzentrierten Salzlösung gefüllt, deren spezifisches Gewicht im Durchschnitt 1,22 beträgt (== 25 Grad Baumé). ...