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Beobachtungen zum tektonischen Bau des Asturisch-kantabrischen Gebirges

Kegel, Wilh.

Kurzfassung

Die vorjährige Exkursion des Madrider Geologenkongresses in das Kantabrische Gebirge gibt Anlaß zur Erörterung einer Frage, die für den geologischen Bau des Gebietes von grundsätzlicher Bedeutung ist. Wohl zuerst von Termier ist die Auffassung ausgesprochen worden, daß das Kantabrische Gebirge ein Gebirge mit ausgesprochenem Deckenbau sei. Später haben dann zwei andere französische Forscher, Léon Bertrand und Louis Mengaud diesen Gedanken weiter verfolgt. Der letztgenannte hat in einer zusammenfassenden geologischen Darstellung der westlichen Teile der Provinz Santander auch den tektonischen Bau eingehender behandelt. Nach der Auffassung von Bertrand und Mengaud lassen sich in dem Gebiet der Picos de Europa bis zur kantabrischen Küste hin drei Decken unterscheiden. In großen Zügen unterrichtet darüber die beigegebene Abbildung 1. Eine tiefliegende Decke III ist lediglich in den faziesfremden, angeblich kretazischen Schichten von Lebena und Campo Mayor vorhanden. Diese Decke tritt an den genannten Orten, die am Nordhang der Picos de Europa liegen, nur als Fenster an die Oberfläche. Sie ist überfahren, von der II., heute die größte Oberflächen-Ausdehnung beanspruchenden Decke, die aus jungpaläozoischen bis tertiären Gesteinen aufgebaut ist. Als I. Decke folgt schließlich darüber, nur in der Küstenregion verbreitet, die aus dem Gres de Cué (nach Barrois Oberdevon, nach neueren, Feststellungen der spanischen Geologen Untersilur = armorikan. Sandstein) bestehende Gesteinsfolge. Diese Auffassung des geologischen Baues veranlaßte Bertrand und Mengaud, das Kantabrische Gebirge als die tektonische Fortsetzung der Pyrenäen aufzufassen, weshalb es gelegentlich auch als kantabrische Pyrenäen von ihnen bezeichnet wird. Die Gebirgsbildung soll sich zeitlich eng an die der Pryenäen anschließen. ...