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Eine neue Rekonstruktion von Holmia mickwitzi (Schm.) (Fam. Mesonacidae Walc.) aus dem Unterkambrium Estlands.

Schindewolf, O. H.

Kurzfassung

Die erste Bekanntschaft mit ,Olenellus" mickwitzi, ,dem ältesten Trilobiten in Europa", verdanken wir F. Schmidt, der 1888 und 1889 auf Grund recht fragmentarischer Funde im Eophytonsandstein Estlands eine Begründung und erste, in mancher Hinsicht noch notgedrungen unzulängliche Beschreibung- und Abbildung der wichtigen Art lieferte. Wegen der Dürftigkeit des seinerzeit vorliegenden Materials waren einer verschiedenartigen Auslegung und wechselnden systematischen Einordnung der Art mickwitzi Tür und Tor geöffnet. So sehen wir denn, daß unsere Form, abgesehen von der Vereinigung mit Olenellus durch F. Schmidt seither in der Literatur wiederholt (Walcott, Peach, Frech, Gürich, Öpik) auch zu der Gattung Mesonacis in Beziehung gesetzt wurde, während andererseits Marcou 1890 für sie im Rahmen der Gattung Elliptocephala ein eigenes Subgenus Schmidtia errichtete. Später (1906) ersetzte Moberg den letzteren Namen wegen Homonymie mit Schmidtia Volborth, 1860, und Schmidtia Bals.-Criv. durch die Bezeichnung Schmidtiellus, und unter diesem nur unvollkommen definierten, nunmehr zur Gattung erhobenen Begriff finden wir seither die Art bei Moberg, Kiaer u.a. eingeordnet. Schmidts wiederholt geäußerte Hoffnung auf Auffindung besser erhaltenen, vollständigeren Materials hat sich zu seinen Lebzeiten nicht mehr verwirklicht. Sie ging erst wesentlich später, dafür aber in ganz überraschend vollkommener Weise in Erfüllung: Im Jahre 1922 wurde gelegentlich von Ausschachtungsarbeiten für den Staudamm einer elektrischen Kraftstation im Jaggowal N Joa dicht oberhalb der Grenze gegen den Blauen Ton in den basalen Teilen des Eophytonsandsteins eine Schicht aufgedeckt, die verhältnismäßig reich ist an größeren und im Zusammenhange erhaltenen Stücken unserer seither nur in spärlichen Resten und stark zerfallenen Bruchstöcken bekannten Form. ...