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Über gelenkige Kalksteine und Dolomite.

Wichmann, Arth.

Kurzfassung

Wie die Erfahrung gelehrt hat, ist die Gelenkigkeit eine Eigenschaft, die ausschließlich an geschichteten und zugleich kristallinischen Gesteinen auftritt. An ihrer Zusammensetzung nehmen im wesentlichen nur die drei Mineralien Quarz, Kalkspat oder Dolomit teil. Von den durchweg als Itacolumit bezeichneten Quarzgesteinen soll an diesem Orte nicht weiter die Rede sein. Ihnen gegenüber treten die weitaus selteneren und nur in beschränktem Maße verbreiteten Kalksteine und Dolomite, die erst verhältnismäßig spät bekannt geworden sind, in den Hintergrund. Über die Ursachen ihrer Gelenkigkeit gehen die Ansichten weit auseinander. 1. Kalkstein: Nicht geringes Aufsehen hatte es erregt, als im Jahre 1763 in der vom Papste Paul V. oberhalb Frascati erbauten Villa Mondragone drei Marmorplatten aufgefunden wurden, die jene Erscheinung deutlich zur Schau trugen und ihren Besitzer, den Fürsten Camillo Borghese, veranlaßten, sie den Sammlungen des Palazzo Borghese in Rom einzuverleiben. Die erste Beschreibung der ,wunderbaren Steine", wie Volkmann sich später ausdrückte, war von Fr. Jacquier sehr bald nach ihrer Entdeckung veröffentlicht worden. Nach seinen Angaben besaßen die Platten eine Länge von 3 Fuß, eine Breite von 6 Zoll und eine Dicke von 3 Zoll. Auf ihrer Oberfläche fand sich eine etwa 1 Linie dicke Kruste, die das Aussehen von Marmor hatte. Die nach dem Abkratzen zutage tretende Masse war mattweiß, wie Kreide, zwischen den Fingern zerreiblich und glich einem matten Marmor. Bei der Beobachtung unter dem Mikroskop hatte es den Anschein, als ob die Teilchen nur in unvollkommener Weise miteinander verbunden waren, dabei untermischt mit glänzenden Punkten, die dem Talk glichen, womit offenbar Spaltungsstückchen des Kalzits gemeint waren; denn Fragmente des Gesteins erwiesen sich in Salzsäure unter Aufbrausen vollkommen löslich. ...