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Wandlungen in den Anschauungen über die Entstehung des Rammelsberger Erzlagers

Frebold, Georg

Kurzfassung

Als vor nunmehr 34 Jahren unsere Deutsche Geologische Gesellschaft hier in Goslar tagte, da war es vor allem die Grubenfahrt in den, Rammeisberg gewesen, die in den Jahren danach einen lebhaften Meinungsaustausch in der ,Zeitschrift für praktische Geologie" hervorrief. Der norwegische Forscher Vogt, der sich um die Untersuchung der Kiesvorkommen seiner Heimat große Verdienste erworben hatte, versuchte mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit in dem bekannten Aufsatz ,Über die Genesis der Kieslagerstätten vom Typus Röros-Rammelsberg" den Nachweis zu führen, daß das Rammelsberger Erzvorkommen genau so ein eruptives Kieslager sei wie die norwegischen Lagerstätten der Umgegend von Röros. Eine sehr wesentliche Stütze seiner Annahme war die von Lossen so bezeichnete Eruptivspalte am Nordrand des Harzes, auf der in herzynischer Richtung die zwei - oder, wenn man will, drei - Granitmassive des Ramberges, Brockens und des Okertales auftreten. Als äußerster westlicher Zeuge magmatischer Erscheinungen sollte auf dieser Spalte das Rammelsberger Erzlager liegen. Über das Dasein einer solchen Eruptivspalte läßt sich kaum streiten, wenn man die auffallende herzynische Erstreckung und Begrenzung der z.T. stark differenzierten granitischen Wurzelzonen dieser Massive betrachtet. Man sollte aber erwarten, daß das Rammelsberger Erzlager dann ebenfalls eine herzynische Begrenzung und Erstreckung aufwiese. Das ist aber nicht der Fall, vielmehr steht die Streichrichtung des Rammelsberger Lagers beinahe senkrecht auf dieser herzynischen Eruptivspalte. Das Rammelsberger Erzlager streicht varistisch, und diese Tatsache allein würde schon genügen, einen Zusammenhang zwischen den Granitmassiven und dem Rammelsberger Erzlager abzulehnen. Aber auch der substantielle Befund des Erzlagers sowie seines Nebengesteines spricht ganz entschieden gegen eine magmatische Abkunft des riesigen Metallgehaltes. Es fehlen jegliche mineralogischen Anzeichen dafür, daß etwa ein basisches Magma - und nur ein solches käme nach unseren Erfahrungen in Frage - diese Sulfidmassen als magmatisches Differentiationsprodukt abgegeben hat. ...