Original paper

Die vormesozoischen Gebirgsbildungen in den Ostalpen

Heritsch, Franz

Kurzfassung

I: Der große Aufschwung der geologischen Studien in den Ostalpen, der zweifellos dem Eindringen der Deckentheorie-teils im Gefolge der Gedankengänge Termiers, teils nach dem Grundsatz, daß der Druck einen Gegendruck erzeugt - zu verdanken ist, bringt es mit sich, daß einzelne Teile der Ostalpen in einem Stil erforscht sind, wie es in den deutschen Mittelgebirgen ganz und gebe ist. Daß es nicht die ganzen Ostalpen sind, welche sich in diesem erfreulichen Zustande befinden, ist durch die Größe und schwierige Zugänglichkeit des Objektes, durch die politischen Verhältnisse im alten Österreich, welche die Arbeitskräfte der Geologischen Reichsanstalt in den nichtdeutschen Gebieten fesselten, und durch das Fehlen eines Arbeiterstabes, der in der Schweiz unter der Führung von einzelnen Hochschullehrern so große Taten vollbrachte, begründet. Je weiter die Studien besonders in den vormesozoischen Gesteinsgruppen der Ostalpen gehen, desto mehr machen sich die Gedankengänge über die Zerlegung der Gebirgsbildung in einzelne Phasen geltend. Ich muß feststellen, daß keine Erscheinung der überreichen Literatur der letzten Zeit so anregend und befruchtend gewirkt hat, als das prächtige Buch von H. Stille über die Grundfragen der vergleichenden Tektonik. Ich werde im folgenden versuchen, in Anknüpfung an Stilles Auseinandersetzungen die vormesozoischen Gebirgsbildungen der Ostalpen klarzulegen. Sich mit den alten Gebirgsbildungen der Alpen zu beschäftigen, scheint sehr notwendig zu sein. Vor kurzem hat Leuchs (Diese Zeitschr., 1921, Monatsber. S. 144) auf den großen Widerspruch hingewiesen, welcher zwischen der in der neueren Literatur immer wieder erscheinenden Meinung von der Alleinherrschaft der ,alpinen", das gesamte Gebirge erzeugenden Gebirgsbildung und den Erfahrungen im deutschen Mittelgebirge besteht, wo man immer deutlicher den Einfluß der alten Gebirgsbewegungen auf die jüngeren Störungen erkennt. ...