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Krustenbewegungen im Unterkarbon Nordwesteuropas

Schindewolf, O. H.

Kurzfassung

Die weiter fortgeführte biostratigraphische Untersuchung der Schichten an der Devon/Karbon-Grenze, besonders unter Heranziehung der Korallenfaunen, hat ergeben, daß unsere deutsche Wocklumeria-Sttife, entsprechend einer schon früher von mir geäußerten Vermutung, ganz oder wenigstens in ihren höheren Teilen ein Äquivalent des französischen Etroeungts bildet, während die Gattendorfia-Stufe die Cephalopodenfazies des unteren Abschnittes der Tournaischichten (etwa T1 a-c der belgischen Karte bzw. Z1+Z2 der englischen Bezeichnungsweise) darstellt. Damit findet nunmehr der alte Streit um die stratigraphische Stellung gewisser deutscher Grenzschichten eine überraschende und befriedigende Lösung: beide Parteien waren im Rechte, diejenige, die nach Maßgabe der Cephalopodenfauna den devonischen Charakter dieser Horizonte betonte, und ebenso diejenige, die, von anderen Gesichtspunkten ausgehend, für deren karbonisches Alter eintrat. Eis handelt sich um Schichten, die seither in Deutschland als oberdevonisch, in Frankreich, Belgien und Großbritannien als unterkarbonisch angesprochen wurden. Die außerordentliche Kompliziertheit der ganz ungewöhnlichen Verhältnisse hat uns nur schrittweise dieser Erkenntnis uns nähern lassen. Legt man, wie ich es vorgeschlagen und kürzlich auch rein theoretisch begründet habe, die Devon/Karbon-Grenze auf Grund der im Oberdevon und Unterkarbon vorwiegend zur Gliederung benutzten Cephalopoden in das Hangende der Gattendorfia-Stufe, dann fällt der größte Teil des Tournai noch in das Oberdevon hinein. Diese Grenzlegung hat den Vorzug, paläontologisch begründet zu sein, während die in Frankreich und England verschieden gezogene Grenze rein fazieller Natur ist. Auch für die höheren Horizonte des Unterkarbons wird eine Parallelisierung der Oephalopoden- und Korallengliederung; vorgenommen und auf dieser Grundlage untersucht, ob die aus der Cephalopodenfazies abgeleiteten tektonischen Phasen, zunächst die hochoberdevonische Marsische und sodann die Nassauische und Präkulm-(Selke-)Orogenese des Unterkarbons, in der Korallen-Brachiopoden-Fazies wiederzufinden und hier möglicherweise noch schärfer einzustufen sind. Der Vergleich ergibt eine völlige Übereinstimmung in beiden Faziesentwicklungen. ...