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Untersuchungen der mesopotamischen Erdpech- und Erdölgebiete

Seidl, Erich

Kurzfassung

Ein Teil des obermesopotamischen Erdölgebietes an den Ufern des Euphrats und Tigris wurde wahrend der Kriegsjahre 1916 bis 1918 von deutschen Fachleuten untersucht (Abb. 1). Cajara (Gaiyara, Gajaru) am oberen Tigris wurde durch Bohrungen, Sacho (Zakho) durch Schurfstollen erschlossen; Hit (Chit) am mittleren Euphrat konnte wegen der ungünstigen Kriegslage nicht mehr aufgeschlossen werden. Die Anregung an die Armeeleitung, diese Gebiete für die Versorgung der Truppen mit Brennstoffen, insbesondere mit Benzin (das von Rumänien herangeholt werden mußte), auszubeuten, ging vom Verfasser aus, in dessen Hand auch die Ausarbeitung der Transport- und technischen Pläne, die Zusammenstellung des Personals und schließlich die Leitung des ,Brennstoff-Kommandos Arabien" (B. R. A.) lag. In leitenden Stellungen arbeiteten die Herren Brätsch-Breslau, Ehrhardt-Schönebeck, Fürer-Wetzlar, Herrmann-Charlottenburg, Klewitz-Berlin, Klingspor-Eisleben und Reuss-Gelsenkirchen. Das Gebiet um Mosul (Cajara, Sacho) war mit aus dem Grunde aus dem ausgedehnten mesopotamisch-persischen erdölgebiet für die Erschließung durch Tiefbohrungen augewählt worden, weil es in erster Linie für die Ausbeutung im Frieden in Frage kam. Denn es kann durch eine höchstens 1000 km lange Ölleitung (die in günstiger Weise längs der damals projektierten Trace der Bagdadbahn zu führen war) unmittelbar mit dem Golf von Alexandrette verbunden werden. Es ist unter den vorderasiatischen und europäischen Gebieten das einzige, dessen Erdölproduktion unmittelbar dem Mittelländischen Meer zugeführt werden kann. Das Erdöl von Baku und von Rumänien muß die Straße der Dardanellen, das Erdöl von Dizful am Persischen Golf muß den Kanal von Suez passieren, um das Mittelländische Meer zu erreichen (Abb. 2). ...