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Die Rolle der Toteisbildung beim letzten Eisrückzug in Norddeutschland

v. Bülow, Kurd

Kurzfassung

1926 habe ich auf Grund der Untersuchungsergebnisse O. Schneiders u.a. versucht, an einem Teil des norddeutschen Glazialgebietes zu zeigen, daß geologische und morphologische Befunde gestatten, Teilgebiete größerer und geringerer Aktivität des Inlandeises auszuscheiden: Dem Oderlobus im engeren Sinne wurde Hinterpommern als Bereich bevorzugter Toteisbildung gegenübergestellt. Vorher schon hatte W. Wolff (1924) die Landschaftsformung der mecklenburgischen und ostholsteinischen Seenplatte und fast gleichzeitig P. Woldstedt (1925) die des ostpreußischen Landrückens - wenigstens teilweise - auf Toteis zurückgeführt. Für Vorpommern habe ich es 1926 versucht. Das südliche Vorland des hinterpommerschen Teiles der Baltischen Endmoräne, das hinterpommersche und westpreußische Gebietsteile umfaßt, zeigt weitgehende Ähnlichkeiten mit der mecklenburgischen Seenplatte, so daß auch hier umfangreiche Toteisbildung angenommen werden darf; diese Annahme erfährt durch Korns Arbeiten (1916) eine gewisse Stütze, da diese die Neigung des Eisrandes zur Lobenbildung für dieses Gebiet dartun. Für Ostpreußen gibt selbst Kraus, ein ausgesprochener Gegner der ,uferlosen Anwendung der Toteishypothese", teilweise die Mitwirkung toten Eises zu: für die Borker Heide, die nördlichen Teile des großen Johannisburger Sanders und den Nordrand des Baltischen Höhenrückens (1926). Schließlich sei ein Ausspruch von Deecke aus dem Jahre 1906 angeführt: ,An ,totem Eis' wird es auf den von den Schmelzbächen umflossenen Hochflächen, auf den Moränenkämmen usw. nicht gefehlt haben". Die Zahl der Hinweise auf weitere Autoren, auch aus anderen Gebieten, ließe sich erheblich vermehren. Es dürfte nicht zuviel gesagt sein, wenn man somit annimmt, daß fast das gesamte Vorland des Baltischen Landrückens (Pommersche Phase Wold-Stedts) und dieser selbst von Toteisfeldern bedeckt war. ...