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Beiträge zur Geologie der Südtiroler Dolomiten.

v. Klebelsberg, R.

Kurzfassung

I. Rückzugsstände der Eiszeitgletscher in den Dolomitentälern. Die Eiszeitgletscher der Dolomiten waren nur in den nach S entwässernden Tälern (Piave, Cordevole, Cismon) einigermaßen selbständig. Im W und N hingegen ging die Vergletscherung zur Hocheiszeit ganz in der der angrenzenden Haupttäler (Etsch-, Eisak- und Pustertal) auf. Hier sind die Dolomitengletscher erst im Zuge des großen Rückschmelzens selbständig geworden, und zwar zu einer Mehrzahl unter Umkehr der Strömungsrichtung gegenüber der hocheiszeitlichen. Darum verdienen gerade hier die Rückzugsstände Beachtung. Trotzdem ist über sie aus den vielbesuchten Dolomitentälern weniger bekannt als aus anderen Alpengebieten; nur vereinzelte und kleine Teilgebiete sind bisher näher untersucht worden, wie z.B. durch A. Penck (A. i. E. III. Bd., S. 941) das Eggental, das gleich jene Besonderheit zeigt: zur Hocheiszeit floß. Eis vom Eisakgletscher über den Karerpaß nach Fassa ab, mit dem Abschmelzen der allgemeinen Gletscheroberfläche unter die Paßhöhe setzte sich wieder der Eisabfluß in der Talrichtung durch. Ich teile im Folgenden Befunde aus den Südtiroler Dolomitentälern mit, beginnend mit dem Fassatal und in der Richtung des Uhrzeigers fortschreitend bis zum Cordevole. Die Befunde sind unterschiedlich. Unsicheren oder nur dürftigen Spuren im einen Tale stehen schöne Endmoränen im anderen gegenüber, wobei nur fallweise die Gründe dieses verschiedenen Verhaltens erkannt oder wenigstens vermutet werden können. Eine große Hilfe beim Aufsuchen und Verfolgen der alten Moränen war mir die in vielen Fällen vorzügliche Geländedarstellung der österreichischen Karten 1:25 000 (letzte Aufnahme vor dem Kriege), welche, soweit nichts anderes angegeben, als topographische Grundlage verwendet wurden. 1. Fassa-(Avisio-)tal: Aus Fleims, dem mittleren Abschnitte des Avisiotales, hat Penck einen Halt des Gletscherrückzuges angegeben auf Grund der Feststellung von Ufermoränen in 1300 m Höhe am Ausgang von Val Gambia, nördlich Cavalese. ...