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Einige glazialgeologische Probleme aus dem norddeutschen Tiefland.

Wolff, W.

Kurzfassung

Die geologische Kartierung des norddeutschen Tieflandes bringt eine fortgesetzte Wandlung der Anschauungen und Erfahrungen über die eiszeitlichen Kräfte mit sich, die den Boden geformt haben. Das Gesamtbild der eiszeitlichen Vorgänge weitet und klärt sich in dem Maße, wie die Produkte dieser Vorgänge erforscht werden; dabei, tritt zugleich eine Fülle neuer Fragen in den Gesichtskreis. Im folgenden sollen nur einige wenige dieser Fragen erörtert werden; die Anschauungen über sie sind bis zu einem gewissen Grade Allgemeingut aller an der Kartierung beteiligten Geologen, sie sind aus der gemeinsamen Arbeit des letzten Jahrzehnts in unserem Kreise herausgewachsen und mannigfach nach den Erfahrungen des einzelnen erörtert worden. Das was ich darüber zu sagen habe, ist also nicht in allen Teilen persönliches Forschungsgut, stets aber Ergebnis eigener Mitarbeit. Die glazialgeologischen Probleme in Norddeutschland schließen sich an die drei Entwicklungsstadien der eiszeitlichen Vorgänge an: an das Herannahen des Inlandeises, an die volle Gegenwart und an das Schwinden desselben. Unter den Glazialgeologen herrscht wohl Übereinstimmung darüber, daß jede der drei oder vier Vergletscherungen Norddeutschlands durch eine sehr tiefe Klimasenkung bedingt wurde. Es hat tausende oder zehntausende von Jahren gedauert, bis das Inlandeis aus dem Zentralgebiet, in dem es sich zuerst bildete, bis in die peripheren Teile vorgedrungen war. Zahlreiche neuere Arbeiten, unter denen ich diejenigen von Kessler und Gripp hervorheben möchte, beweisen, daß auch in dem nichtvergletscherten Teilen Norddeutschlands der Boden tief gefroren war. Das Grundwasser verschwand, die Quellen versiegten, Kalktuffbildungen, z.B. der untere Travertin von Ehringsdorf erlitten eine Unterbrechung, wie dies aus W. Soergels Beschreibung (Paläont. Zeitschr. Bd. 8, H. 1, 1926) deutlich hervorgeht. ...