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Morphologische Grundfragen im süddeutschen Schichtstufenland.

Wagner, Georg

Kurzfassung

1. Alte Schotter: Alte Schotter im süddeutschen Schichtstufenland sind sehr schwer zeitlich festzulegen. In großen Sand- und Kiesgruben gestattet es erst jahrelange Sammeltätigkeit, so bei Mauer und Goldshöfe. Hier haben ja neue Funde von W. Pahl (1) die Kokensche Einreihung der Goldshöfer Sande in die Mindeleiszeit bestätigt. Bei kleineren Schottervorkommen und Streuschottern ist jeder Versuch, paläontologisch zum Ziele zu kommen, in der Kegel aussichtslos. Verzahnungen mit Moränen, wie am Rande des norddeutschen Flachlandes, fehlen uns im süddeutschen Stufenland fast ganz. So hat man sich daran gewöhnt, nach der Höhenlage der Schotter über dem Fluß (10 m, 25 m, 60 m, 90 m) sie als Nieder-, Hochterrasse, jüngere und ältere Deckenschotter zu deuten. Gewohnheit beweist aber noch nicht die Richtigkeit. Vielfach hat man die Schotter mit Gewalt in die Vierzahl gepreßt; selten sind es mehr, in der Regel weniger Schotterterrassen. Das Maß der Eintiefung ist gerade bei unseren süddeutschen Flüssen außerordentlich verschieden, sogar bei demselben Fluß. Infolge junger Tektonik ist ohne planmäßiges Durchverfolgen von Schotterfeld zu Schotterfeld eine Gleichsetzung mindestens sehr gewagt, häufig sogar falsch. Von den meisten Forschern ist die Salztektonik nicht berücksichtigt worden. Denn fast alle Schotter, die im Hauptmuschelkalk abgelagert wurden, haben sich nachher, als der Fluß den mittleren Muschelkalk anschnitt, um 30 bis 60 m gesenkt. Damit stürzt manches allzu ,exakte" Gebäude zusammen. Denn ein Lineal reicht eben nicht allein aus, Schotter zu deuten. Mit Wissenschaft hat es daher nichts mehr zu tun, wenn man großzügig vereinzelte Schotterfelder auf Berggipfeln im Vorland einer bestimmten Stufe oder Zeit mit Sicherheit zuweist, am allerwenigsten auf leicht löslichen Gesteinen (Kalk, Gips). Hier ist es sehr leicht möglich, daß die chemische Abtragung unter den Schottern diese dauernd tiefer sinken ließ. ...