Original paper

Über Brodelböden im Taldiluvium bei Senftenberg und über das Alter der sie begleitenden Torf- und Faulschlammablagerungen.

Keilhack, K.

Kurzfassung

Im Jahre 1927 sind zwei Arbeiten erschienen, die wesentlich zur Erweiterung unserer Kenntnis der klimatischen Verhältnisse während des Hochstandes der Glazialzeit beigetragen haben, nämlich der Aufsatz von Schosta-Kowitsch über die Frostböden (,Gefrornis") Sibiriens und die Untersuchungen von Gripp über die sogenannten ,Brodelstellen" Spitzbergens, das sind Ausgleichsbewegungen in den Auftauzonen über den Frostböden. Brachte uns die erste Arbeit das Verständnis dafür, unter welchen Wärme- und Niederschlagsverhältnissen die Entstehung von Dauerfrostboden überhaupt erst möglich ist, so gewährte uns Gripp mit seinen Untersuchungen die Möglichkeit, fossil gewordene Wirkungen von Frostböden heute noch zu erkennen. Seine Arbeiten haben mir auch das Verständnis gebracht für eine Erscheinung, die ich schon seit vier Jahren in der Lausitz beobachtet, aber bisher nicht zu erklären vermocht habe. In der Erläuterung zur zweiten Auflage des Blattes Klettwitz in der Lausitz, gedruckt 1924, hatte ich die Beschreibung des Tagebaus Marga der Ilse-Bergbau A.-G. mit folgenden Worten geschlossen: ,In den letzten fünf Jahren erfolgte der Abbau nördlich der Bahn in der Richtung auf Hörlitz. Hier hat im Herbst 1923 ein ausgebaggerter Schlitz 5 m unter der Oberfläche des ebenen Talsandbodens ein etwa 1/4 bis 1/2 mächtiges Torflager aufgeschlossen, das von eigentümlich wirbelig geschichteten Sanden überlagert wird. Anscheinend ist hier eine altalluviale schmale Flußrinne zuerst durch Torfbildung verlandet und dann durch fluviatile Sande vollkommen eingeebnet worden." Diese in den folgenden Jahren bei der riesenhaften Ausdehnung des Tagebaues in großartiger Weise über weite Flächen aufgeschlossene Erscheinung mit ihren Begleiterscheinungen zu beschreiben und ihre Entstehung zu deuten, ist der Zweck der folgenden Mitteilung. ...