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Die Lösung des Ceratitenproblems.

Schrammen, A.

Kurzfassung

Das Ceratitenproblem hat zwei Seiten: eine paläozoologische und eine stratigraphische. Die Klärung der paläontologischen Fragen bewegt sich trotz, oder vielleicht auch gerade wegen Philippis bekannter Monographie noch in den ersten Anfängen. Auch in bezug auf die Bedeutung, die den Ceratiten bei der Altersbestimmung und Gliederung der Erdschichten zukommt, sind die Ansichten noch recht geteilt. Auf der einen Seite Anhänger der Meinung G. Wagners, wonach die Ceratiten als Leitfossilien ziemlich unbrauchbar sein sollen, so daß eine Einteilung des oberen Muschelkalks, die sich lediglich auf Ceratiten stützt, verworfen wird. Auf der anderen Stolley und sein Schüler Adolf Riedel, die die Ceratitenschichten nur nach Ceratitenarten in eine größere Anzahl Zonen zerlegt haben. Den Annahmen Wagners ist bereits von Stolley mit sehr triftigen Gründen widersprochen worden. Daß Wagner in der Tat nicht berechtigt war, den Ammoniten des oberen Muschelkalks in stratigraphischer Hinsicht eine Sonderstellung zuzuweisen, werden auch meine eigenen Ausführungen zeigen. Ich sagte, die Paläozoologie der Ceratiten stecke immer noch in den Kinderschuhen. Wenn ich zur Begründung dieser Behauptung gezwungen bin, den paläontologischen Teil der Monographie Philippis und der Riedelschen Arbeit nicht zustimmend zu beurteilen, so bin ich mir darüber klar, daß es schwierig war, etwas sozusagen aus dem Nichts zu schaffen. Ich bedenke auch, daß die Meinungen und Arbeitsmethoden der beiden Forscher unter dem suggestiven Einflüsse der geltenden Lehrmeinungen standen und darum leicht in Sackgassen geraten konnten. Nach Philippi würden sämtliche Ammoniten, die im oberen deutschen Muschelkalk gefunden worden sind, einer einzigen Gattung angehören: dem genus Ceratites. Innerhalb dieses geschlossenen Komplexes soll eine Fortentwicklung stattgefunden haben, indem sich aus den kleinen Formen der unteren Schichten die großen der oberen herausbildeten. Konstant wäre im allgemeinen die Zahl der vier großen Sättel, ferner die Jugendskulptur und auch die Länge der Wohnkammer geblieben. Dagegen ist nach Philippis Ansicht die Suturlinie in bezug auf Größe, Form und Zähnelung nicht nur bei derselben Art, sondern oft schon bei ein und demselben Individuum den mannigfaltigsten Abweichungen unterworfen. ...