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Die geotektonische Stellung des Kaukasus und dessen Beziehungen zu Europa (Geologie der Schwarzmeer-Umrandung und Kaukasiens II. Stück)

Wilser, J. L.

Kurzfassung

Kaukasus und Krim entstammen einer epikontinentalen Geosynklinale, einer Saumtiefe im Südrande des russischen Schildes, die im Kaspigebiet vom Weltmeer abzweigt, westlich der Krim blind endigt, südlich begrenzt von der pontisch-meskhisch-antikaukasischen Schwelle (vgl. Karte 2 u. 3). Das Kaukasus-Krim-Sonderbecken hat vorwiegend germanotype Fauna und Sedimentation; auch seine Tektonik ist der germanotypen näher verwandt als der alpiden (abgesehen von der jungen Heraushebung). Nach der bretonischen Phase ist erst wieder im Jungtertiär ein Faltungsparoxysmus festzustellen, der sich in den liegenden und hangenden Schiefern in enger Spezialfaltung, in den Malm- und Kreidekalken weitspannig abbildet. Die altalpidischen Orogenesen (Jura-Kreide) haben untergeordnete Bedeutung. Die Südfaltung und -schuppung von Kaukasus-Krim und die Nordfaltung der nordkleinasiatischen Ketten lassen sich aus der paläogeographischen Zugehörigkeit zwanglos ableiten: Kaukasusk-Krim als Rinne im südrussischen Schild, Teil dieses Rahmens, pontisch-armenische Ketten als nördliche Tethyszonen. Der mesozoische Kaukasus-Krimtrog muß dem jungpaläozoischen Donetzbecken an die Seite gestellt werden. Das Balkangebirge findet seine Fortsetzung in den nordbewegten kleinasiatischen Ketten, denen es stratigraphisch nahe steht (vgl. III. Stück). Es ergibt sich also folgende Gliederung: Woronesche Masse; ,Südrussische Senke" mit paläozoischem Donetztrog; Podolisch-asowsche Masse; Mesozoisch-känozoischer Krim-Kaukasustrog (als Sonderbecken im Vorland); (Wallachisch-)pontisch-meskhisch-antikaukasische Masse, heute zum größten Teil als Vortiefe versenkt; (Balkanisch-)anatolisch-armenisches Tethysoroxen. Vergl. ferner die Erläuterungen zu den 3 Karten.