Original paper

Vergleich technischer und geologischer Biege- bzw. Knickzonen, insbesondere im Deutschen Kalisalzbergbau-Gebiet.

Seidl, Erich

Kurzfassung

Bedeutsam sind die Fortschritte technischer Forschungen in den letzten 20 Jahren über die ,Formänderungsfähigkeit" bzw. ,Festigkeit" von Werkstoffen(Metalle und Gesteine), d.h. über das Verhalten derselben bei Beanspruchungen, die über die Elastizitätsgrenze des betreffenden Stoffes hinausgehen. Die Formänderung kann dabei entweder unter ausschließlich bildsamem Nachgeben, unter anfangs bildsamem Nachgeben und späterem Bruch oder unter sofortigem Bruch erfolgen. Die Ergebnisse lassen sich auch der Aufklärung geologischer Störungsbereiche nutzbar machen. Ich habe mich unter anderm insbesondere damit befaßt, einerseits bei technischen Verformungen, die sich beim Scheren, Zerreißen, Zerdrücken, Biegen und Knicken ergaben, das Kennzeichnende der betreffenden Verformungszone möglichst klar zu umschreiben bzw. durch ein Diagramm des Verformungs-Bereichs darzustellen und anderseits mit diesen technischen Verformungs-Diagrammen die Eigentümlichkeiten geologischer Verformungszonen zu vergleichen. Die Herausarbeitung geologischer Querschnitt-Schemata der Störungszonen ergibt zunächst eine mechanisch begründbare konstruktive Ergänzung der nicht aufgeschlossenen Teile der betreffenden Störungs-Bereiche; sodann vermag man beim Vergleich des geologischen Querschnitt-Schemas mit dem zugehörigen technischen Verformungs-Diagramm auf den - ja nicht bekannten - geologischen Störungs-Vorgang zu schließen. Ich behandle hier - an Hand von Lichtbildern-Biege- und Knickzonen der Technik (übereinstimmende Störungsform) im Vergleich zu gewissen geologischen Sattel- und Muldenbildungen, und unter diesen insbesondre solche, die durch den Kalisalzbergbau in Mitteldeutschland aufgeschlossen sind. I. An technischen Beispielen von spröde oder bildsam sich verhaltenden Metall-Stäben und -Platten wird das Verhalten von Biege- und Knickzonen und insbesondere die kennzeichnende Formänderung an der konkaven (Überdruck-) und der konvexen (Zerrungs-)Seite erläutert (Schema, Abb. 1) ...