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Zur Frage der Gelenkmarmore.

Kieslinger, A.

Kurzfassung

A. Wichmann hat unlängst an dieser Stelle eine ausführliche Darstellung unseres bisherigen Wissens von den ,gelenkigen" Kalksteinen und Dolomiten gegeben. Von kristallinen Kalken führt er aus Europa nur zwei Vorkommen an, nämlich Carrara (Marmo salino) und Czuteziz in Mähren. Da ich die gleichen Erscheinungen wiederholt beobachtet habe, wenn auch nicht in derselben schönen Ausbildung wie vom klassischen Fundort Carrara, und sie bisher ihrer Häufigkeit und Gewöhnlichkeit wegen nicht besonders hervorgehoben habe, so seien hier einige Ergänzungen zu der Arbeit von Wichmann gebracht. Ich vermute, daß sich diese Bildungen bei einiger Aufmerksamkeit an jedem Vorkommen hochkristalliner Marmore wiederfinden werden. Ich habe solche ,Gelenksteine" besonders in hochkristallinen Marmoren der Koralpe im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet beobachtet. Diese Gesteine wurden von mir seinerzeit so ausführlich beschrieben, daß hier kurze Andeutungen genügen. Die Marmore haben ebenso wie die umgebenden Gesteine einen sehr hohen Grad der Metamorphose (etwa an der Grenze von III. und II. Tiefenstufe Grubenmanns), der sich in der Größe der Körner und der Art der silikatischen akzessorischen Mineralien ausdrückt. Die Körner sind sehr groß, meist etwa 3-8 mm Durchmesser. Ihre Form im Dünnschliff wechselt, sie sind bald mehr, bald weniger verzahnt. Von den Akzessorien kommen für unsere Frage hier nur die Glimmer in Betracht, goldblonde Phlogopite, die an einzelnen Flächen angereichert sind und so eine Trennung in Platten ermöglichen. Die Verwitterung der Marmore geschieht nun in der Weise, daß zunächst nicht eine Zerstörung der einzelnen Körner, sondern nur eine Trennung derselben stattfindet. ...