Original paper

Einige grundsätzliche Bemerkungen zu den Erscheinungen der nordischen Vereisung am Sudetenrande.

Berg, G.

Kurzfassung

Wir können uns nach diesen Überlegungen den Vorgang der nordischen Vereisung in den Tälern der Sudetenabhänge etwa folgendermaßen vorstellen: Unter dem Einfluß säkularer meterologischer Variationen schob sich in der vorletzten Eiszeit ein Maximum der Niederschlagsbildung über die Eisfläche südwärts und türmte einen mit dem Maximum vorrückenden Firnwall von etwa 600 m auf. Die Last dieses Firnwalles drückte, als er nahe am Gebirgsrande war, das Eis südwärts in die Täler des Gebirges vor. Dieses Eis war ganz durchsetzt von Schutt nordischer und einheimischer Herkunft, so daß geringe Schmelzungen genügten bedeutende Vorschüttungssande aufzuschütten, die bis auf die äußersten immer wieder vom nachfolgenden Eis überflutet wurden. Das Eis breitete sich bald als ein weiter oben flacher nach unten unregelmäßig begrenzter Kuchen zwischen den Bergen bis zur Höhe vieler Nebentalwasserscheiden aus, starb dann aber schnell ab. Nun sickerten die Schmelzwasser des sterbenden Eises unter, zwischen und über dem Toteis nach Norden bis zur Stillstandslage vor dem Gebirgsrand. Dabei wurde die Schutt- und Schmutzkruste über dem Toteis allmählich stärker und stärker. Die Gebirgeflüsse waren in dieser Zeit infolge des periglazialen Trockenklimas versiegt. Als aber der Eisrand außerhalb des Gebirges ferner lag, begannen sie wieder zu strömen und mäandrierten zunächst auf der sandigen Zuschüttungsfläche. Sie schufen dadurch neue Tallinien, die sich dann epigenetisch einschnitten. Aus den alten, Talläufen wurde der Sand und das Toteis bald durch Erosion und Ausschmelzung fortgeschafft. Wo die neuen Tallinien über Felsuntergrund zu liegen kamen, bildeten sich die für die Gegend bezeichnenden Talstücke von schluchtartigem Charakter in festem Felsgestein heraus.