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Zur Frage des Deckenbaues im Harz.

Kossmat, Franz

Kurzfassung

Im zweiten Heft des Centralblatts für Mln. usw., Jahrgang 1927, Abt. B, Seite 33-49, habe ich unter der Überschrift: ,Ein Problem der Harztektonik" eine Arbeit veröffentlicht, die auf einige offene Prägen des dortigen Gebirgsbaues hinweist. Beim Studium der Literatur war ich darauf aufmerksam geworden, daß die eingeklemmte Faltenregion von Elbingerode im Mittelharz ein Verhältnis zu ihrer Umrandung zeigt, das in der bisherigen Weise nicht befriedigend erklärt werden kann. Nach den ausgezeichneten Beobachtungen von M. Koch handelt es sich um einige schöne Faltensättel, bestehend aus mitteldevonischen Schalsteinen, erzführenden Stringocephalen-Kalken, Iberger Kalken, Oberdevonschiefern und Kulmschichten. Dieses in etwa 15 km Länge und 5 km Breite aufgeschlossene System hat, wie auch durch die Fossilfunde belegt ist, eine ganz ausgesprochene Nordwestharz-Fazies und wird rings umgeben von dem mit zahllosen Diabaskörpern verflochtenen Unter- und Mitteldevon der Biankenburger Gegend. Die Grenze gegen diesen Komplex ist ein um das ganze Elbingeröder Gebiet verfolgbarer tektonischer Kontakt, an welchem die Sattelflanken der Elbingeröder Falten unter die aufgeschobene Blankenburger Devonserie tauchen. Im weitaus größten Teile der Erstreckung sind es die Kulmschiefer und -grauwacken, die unmittelbar unter die Devonschiefer und Quarzite der Umrahmung einschließen. Die fazielle Entwicklung in letzterer weicht erheblich von jener des Elbingeröder Systems ab, vor allem fehlt jede Spur der Stringocephalen- und Iberger Fazies hier, wie im ganzen anschließenden Unterharz. Kurzum, es taucht bei Elbingerode ein typisches Stück des Oberharzer Faziesbezirks inmitten einer aufgeschobenen Unterharzer Fazies empor. Es liegt hier nach meiner Überzeugung ein tektonisches Fenster vor, wohl das schönste Beispiel eines solchen innerhalb des außeralpinen Mitteleuropa. ...