Original paper

Ein kleiner Wolf aus den Kiesen von Süßenborn.

Soergel, W.

Kurzfassung

Der Carnivorenbestand der Süßenborner Fauna hat, nachdem eine über 30jährige Sammeltätigkeit in den Süßenborner Kiesen nur die wenigen vom Verfasser beschriebenen Bärenreste geliefert hatte, in den letzten zwei Jahren eine erfreuliche Bereicherung erfahren. Ein im Frühjahr 1925 in das Museum für Vorgeschichte zu Weimar gelangtes Unterkieferfragment konnte mit Sicherheit auf den Fischotter bezogen werden, ein im Herbst 1926 gefundenes Unterkieferfragment erweist uns nun das Vorhandensein eines kleinen Caniden in der Süßenborner Fauna. Bei der Bedeutung, die jeder der im Altdiluvium so seltenen Canidenreste für die Aufhellung der Stammesgeschichte der Caniden besitzt, erscheint mir eine möglichst eingehende Vergleichung des Süßenborner Unterkieferfragments mit fossilen und rezenten Caniden, besonders denen der gleichen Größenstufe, geboten. Das linke Unterkieferfragment (Taf. I) wurde in der Grube Saalborn zu Süßenborn 10 m unter Tag, zwischen 260 und 261 m ü. N. N. gefunden. Aus Schichten gleicher Höhenlage sind in der Grube Saalborn Reste von Alces latifrons, in anderen Gruben solche von Megaceros cf. verticornis zutage gekommen. Aus 259-260 m Höhe kenne ich aus der Grube Saalborn Reh und Bos oder Bison, aus anderen Gruben Equus äff. Stenonis, Elephas trogontherii, Bison, Megaceros cf. verticornis, Alces latifrons, Cervus capreolus mut. prisca. In der Höhe 261-262 m ü. N. N. wurden in der Grube Saalborn Beste von Biber, Bison, Alces latifrons und Megaceros cf. verticornis, in anderen Gruben Rhinoceros etruscus, Equus süssenbornensis und Equus Marxi gefunden. Beste des Bären haben sich im Süßenborner Kieslager teils über, teils unter dem Fundniveau des Caniden nachweisen lassen. Erhalten ist von dem Canidenunterkiefer der horizontale Ast von der Eckzahnalveole an bis zur vorderen Alveole des M1. Die Zähne fehlen. ...