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Glazialstudien im Feldberggebiet (Schwarzwald).

Buri, Jh.

Kurzfassung

1. Ein charakteristischer und wohlerhaltener, mehrere Meter langer Gletscherschliff auf anstehender Kulm-Grauwacke unmittelbar oberhalb Schönau im Schwarzwald liefert den (bisher noch nicht durch Schliffe oder gekritzte Geschiebe erbrachten) Beweis für eine weitgehende Richtigkeit der morphologischen Anschauungen A. Hubers (Lit. Nr. 5). Wenigstens ist jetzt die von anderer Seite bestrittene Ausdehnung eines diluvialen Gletschers bis in das mittlere Wiesental und zwar bis gegen 500 (allermindestens 540) m hinab gesichert. 2. Die Frage nach der Art der diluvialen Schwarzwaldgletscher gibt Anlaß zu einer Revision des Glazialsystems (Kartenskizze). Während der Maximalausdehnung der Vereisung kamen Gletscher in allen Größen vor, wie sie heute in den Alpen vorhanden sind, selbst die über 20 km langen nicht ausgeschlossen. 3. In einer Auseinandersetzung über das Glazialrelief (Stufenbau) wird besonders Wert gelegt auf die umgestaltende Arbeit der Gletscher an der Landschaft. Die Hauptwirkunig ist der vorletzten (größten) Eiszeit zuzuschreiben. Das fließende Wasser wird als der Zerstörer des Glazialreliefs aufgezeigt (fluviatiler Stufenabbau). Bedeutsam ist die Regelmäßigkeit des Stufenbaues in den Betten der einstigen großen Gletscher des Feldberggebietes. 4. Eine Begünstigung der Karbildung durch stratigraphisch-petrographische und durch tektonische Momente wird zugestanden, aber die um gestaltende Wirkung des Firnes den Kar-Vorstufen (Ausrutschungen im Buntsandstein) in tieferen Lagen am Gebirgsrande gegenübergestellt. Die Buntsandsteinkare sind hinsichtlich Glazialwirkung mit den Karen des Grundgebirges gleichzustellen und zu trennen von den Vorstufen. In einigen Uebergängen von unvollständigen Karen zu Vorstufen kann statt des Firnes lange dauernden Jahres-Schneehäufungen jene Rolle des Gestalters zugeschrieben werden, die Deecke auf alle Buntsandsteinkare angewendet wissen wollte. Die Schneegrenze dürfte im nördlichen Schwarzwald etwa bis zur Mitte des weiten Spielraumes zwischen 500 m (Steinmann) und der Lage über den höchsten Buntsandsteinkaren (Deecke) hinabgereicht haben. Auf jeden Fall werden Lawinen keine geringe Rolle gespielt haben.