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Die Dolomitisierung der mitteltriadischen Kalke in Südtirol.

Hummel, K.

Kurzfassung

Die Mineralogen haben sich in den letzten Jahrzehnten bemüht, die physikalisch-chemischen Bedingungen der Dolomitbildung zu ermitteln. Das Ergebnis dieser Untersuchungen war die Feststellung, daß es in der Natur eine ganze Menge verschiedener Möglichkeiten der Dolomitbildung geben kann. Aufgabe des Geologen ist nun, festzustellen, welche Bildungsbedingungen im Einzelfalle die wahrscheinlichsten sind. Die Ergebnisse der Bohrung von Funafuti haben dazu geführt, daß man die Dolomitisierung von Korallenriffen und ähnlichen Riffkalken jetzt im allgemeinen auf den Einfluß normalen Meerwassers zurückführt. Für die Entstehung der Dolomite in der Mitteltrias Südtirols scheint mir diese Deutung jedoch nicht zulässig, und zwar sprechen gegen diese Annahme folgende Tatsachen: Die ladinischen Riffe der Marmolata und des Schlern sind ursprünglich offenbar aus ganz ähnlichen Organismen in fast gleichartiger Mächtigkeit und in ganz geringer Entfernung voneinander entstanden. Ein ursprünglicher Unterschied in der Gesteinsbeschaffenheit ist daher kaum anzunehmen. Trotzdem besteht das Marmolatariff jetzt aus Kalk, das Schlernriff dagegen aus Dolomit. Der Gegensatz Kalk-Dolomit tritt in demselben Gebiet nicht nur in den ladinischen Riffbildungen auf, sondern auch in anderen Horizonten der Mitteltrias. So ist der oberanisische Sarl-Horizont (früher: Mendel-Horizont) im Marmolata- und Buffaure-Gebiet überwiegend kalkig entwickelt, im Schlerngebiet dagegen ein Dolomit. Auch die Buchensteiner Knollenkalke sind unter dem Schlernriff dolomitisiert, und dasselbe konnte ich im Rosengarten auch für die geschichteten unteranisischen Kalke feststellen. Beide Horizonte sind im Marmolatamassiv als Kalke entwickelt, obwohl im übrigen keine wesentlichen faziellen Unterschiede festzustellen sind. ...