Original paper

Glazialgeologische Ergebnisse aus dem Isargletschergebiet.

Knauer, Joseph

Kurzfassung

Bei Beginn der seit dem Jahre 1924 im Gange befindlichen Aufnahmearbeiten im Isargletschergebiet wurde zunächst die Penck-Brücknersche Gliederung der Eiszeit in vier Vereisungsperioden (Günz-, Mindel-, Riß- und Würmeiszeit) mit dazwischen eingeschalteten Zwischeneiszeiten zugrunde gelegt. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß diese Gliederung nicht ausreichte, um die verschiedenen Eiszeitgebilde befriedigend einzuordnen. Es tauchte die Frage auf, ob wir außer den vier Penck-Brücknerschen Perioden noch weitere selbständige Vereisungen anzunehmen haben, oder ob wir die überzähligen Moränen und Schotterfluren in die genannten vier Eiszeiten etwa als Phasengebilde eingliedern können. Die Lösung dieses Problems stößt auf große Schwierigkeiten, da paläontologische und petrographische Hilfsmittel zur Trennung der verschiedenen Gebilde nicht oder meist nicht zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde schien es angezeigt, die überzähligen Gebilde den einigermaßen sicher begründeten vier Penck-Brücknerschen Eiszeiten einzuordnen und nicht ohne zwingende Gründe neue Eiszeiten einzuführen. Die nachstehende Gliederung der glazialen Ablagerungen wurde zunächst im Lech-Ammersee-Gebiet gewonnen, sie hat sich aber auch im östlich anschließenden Wurmsee- und Isargebiet, das noch in Bearbeitung steht, bewährt. Die Glazialablagerungen im Lech-Ammergebiet lassen sich folgendermaßen gliedern: I. Stoffersberg-Nagelfluh (altdiluvial oder pliozän). II. Günzeiszeit-Nagelfluh. III. Mindeleiszeit. a) Ältere Schotter und Nagelfluh. b) Jüngere Schotter und Nagelfluh. IV. Rißeiszeit. a) Ältere Moränen und Schotter. b) Jüngere Moränen und Schotter. V. Würmeiszeit. a) Moränen und Schotter der Phase I (Vorrückungsstillstand). b) Moränen und Schotter der Phase II a (äußerste Randlage). c) Moränen und Schotter der Phase II b (Rückzugsstillstand). d) Moränen und Schotter der Phase II c (Rückzugsstillstand). ...