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Die wichtigsten Ergebnisse meiner anatölischen Reisen.

Nowack, Ernst

Kurzfassung

Die große Schwierigkeit, welche der Entwirrung des Baues Inneranatoliens entgegensteht, ist seine Verhüllung mit Neogen und jungen vulkanischen Ergüssen. Nur in Westkleinasien und in den nördlichen und südlichen Randketten ist der innere Bau der anatolischen Halbinsel enthüllt. Auf weite Strecken im Landesinnern taucht das Grundgebirge nur inselartig auf und haben sich bisher die Zusammenhänge noch nicht klar erkennen lassen. Drei große Gebirgssysteme treten in die anatolische Halbinsel ein: 1. Im Norden das balkanische, - wie das Toula, Douvillé, A. Penck vermutet haben und von Wilser überzeugend vertreten wurde, - die pontischen Randgebirge zusammensetzend, - von SW das dinarische, von Osten das taurische System. Die beiden letzteren Systeme scharen sich, - wie das schon E. Suess wußte und W. Penck neuerlich bestätigt hat, - unter spitzem Winkel in der Gegend nördlich Adalia. Welchem System gehört nun das Grundgerüst Inneranatoliens an, was liegt unter dem Neogen der weiten Lykaonischen Steppe und seinen jung vulkanischen Randlandschaften? Die bisherigen Konstruktionen sind äußerst vage, denn sie beruhen auf völlig ungleichwertigen, systemlosen Streichungsmessungen (einmal im Grundgebirge, einmal im Deckgebirge) oder gar nur auf orographischen Streichrichtungen. Ich möchte von den Ergebnissen meiner Reisen in Anatolien, die mich gerade durch die wenigst bekannten Gebiete im Süden und Norden geführt haben, nur jene herausgreifen, die uns der Antwort auf die Frage nach dem Grundgerüst Inneranatoliens näher bringen könnten. Der Schlüssel hierfür scheint mir in Nordanatolien zu liegen, wo zwischen dem Binnentertiär der Lykaonischen Steppe und den pontischen Randketten, durchsetzt von großen andesitischen Magmamassen, auf bedeutende Strecken das Grundgerüst zutage tritt. ...