Original paper

Ein bemerkenswertes Vorkommen von asphaltführendem Tertiär nordwestlich von Braunschweig

Woldstedt, Paul

Kurzfassung

Tertiäre Ablagerungen fehlen in der näheren Umgebung von Braunschweig so gut wie ganz. Der einzige, bisher bekannte Punkt, von dem das Vorkommen von Tertiär angegeben wird, ist das Gebiet des Dove-Sees nördlich Braunschweig. Hier sind nach A. Kumm in Bohrungen in geringer Tiefe Sande und Tone angetroffen worden, die wahrscheinlich Tertiär sind. Die Möglichkeit des Tertiär vorkommens gerade dort erscheint durchaus gegeben; denn wir befinden uns in der nord-westlichen Fortsetzung der als ,Wabe-Achse" bezeichneten Störungszone, zu der auch der Nußberg östlich Braunschweig gehört. In solchen Störungszonen, auch wenn sie, wie die Wabe-Achse, Sattel-Charakter tragen, finden wir ja häufig versenktes Tertiär. Alter und Art der Schichten vom Dove-Sec bedürfen noch genauerer Aufklärung. Von besonderem Interesse ist es nun, daß sich auch noch in einem anderen Gebiet nordwestlich Braunschweig - unter anscheinend ähnlichen Lagerungsverhältnissen - Tertiär gefunden hat, dessen Schichten auch eine genauere Altersbestimmung gestatten. Die Baggerungen für den Mittellandkanal haben in der Gegend von km 43,6 bis km 44 nördlich Bortfeld tertiäre Schichten aufgeschlossen, die, soweit sich bisher ersehen läßt, als Schollen im Geschiebemergel drinstecken. Die gegenwärtig etwa 500 m lange Baugrube zeigt im wesentlichen eine Grundmoräne, deren Aussehen im einzelnen außerordentlich wechselt. Sie ist vielfach sand- und kiesstreifig und enthält oft größere Linsen von geschichteten Sanden und Kiesen. Eingelagert in diese Grundmoräne sind große Schollen von Tertiär, die mehrere Meter mächtig und über 100 m lang sind. Sie sind vielfach miteinander verknetet und zu Zungen und Fahnen ausgezogen. ...