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Über die Tätigkeit von Etna und Vesuv im Herbst 1928.

Reck, H.

Kurzfassung

Die diesjährige Herbsttätigkeit von Etna und Vesuv verdient aus zwei Gründen gegenüber der normalen ruhigen Entwickelung der Dinge während der letzten Jahre besonders betont und erörtert zu werden: 1. wegen der merkwürdigen und seltenen, zeitlich nahen Verknüpfung der starken Unruhe in beiden Vulkanen, welche die Vermutung einer gemeinsamen Ursache nahelegt, und daher auch von erheblichem theoretischen Interesse ist; 2. wegen der drohenden Symptome, die beide Vulkane am Ende dieser erregten Tätigkeit für die nächste Zukunft hinterlassen haben. Die Beleuchtung besonders des letzteren Punktes setzt einen kurzem, orientierenden Rückblick auf den Ablauf der Erscheinungen voraus und soll daher hier vorangestellt werden. Da der Verlauf der Eruption am Etna wie am Vesuv bereits von I. Friedlaender gründlich dargestellt worden ist, kann ich mich diesbezüglich kurz fassen und für alle Einzelheiten auf seine Berichte verweisen. Was den Etna betrifft, so ist mir der wichtigste Gewährsmann für den Gesamtverlauf des Ausbruchs der deutsche Konsul Haeni in Catania gewesen, einer der besten Kenner des Berges, der ihn nahezu 100mal erstiegen hat und schon Augenzeuge früherer Spalteneruptionen war. Er hat auch diese in allen Phasen verfolgt und als Erster ihre Ströme kartographisch festgelegt. Die Wissenschaft ist ihm für seine gründliche, exakte und aufopfernde Arbeit zu großem Dank verpflichtet. Die Eruption von 1928, die eine musterbeispielhafte, radiale Flankeneruption war, hatte - wie ihre letzten Vorgänger - ihre Wurzel an der den Etna von SSW nach NNO durchschneidenden Bruchzone von 1874, wich jedoch von dieser im weiteren Verlauf erheblich in östlicher, auch radial eingestellter Richtung ab. ...