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Flechtenrasen im Löß.

Deecke, W.

Kurzfassung

Im Löß des Oberrheingebietes beobachtet man zahlreiche gebogene oder gekrümmte Röhrchen, welche zwirnbis bindfadenartig sind und sehr oft mit hellem weißgelbem Sinterkalk erfüllt werden. Sie treten nicht überall im Löß auf, häufen sich gern in den mittleren Lagen des jüngsten Löß und durchsetzen diesen ganz wirr nach allen Richtungen. Im älteren Löß kommen sie seltener vor; dagegen zeigen sich ähnliche Röhrchen im älteren Lößlehm, der stellenweise dadurch vollkommen porös wird. - Die letzten Röhrchen sind sicher Auflösungserscheinungen, entstanden bei der Entkalkung entweder durch: Niederschläge oder die eindringenden Wurzeln der Pflanzen, welche auf dem verlehmenden älteren Löß wuchsen. Jene ersten stecken aber im frischen, kalkreichen und nur ganz wenig verändertem Gestein und müssen als eine primäre Bildung betrachtet werden. Deshalb hat man seit langem diese Röhrchen als Reste der vom Lößstaub eingedeckten Vegetation aufgefaßt und in ihnen Wurzeln der Grassteppe vermutet. Aber näher betrachtet oder untersucht hat sie meines Wissens bisher niemand. Es bot sich im Kaiserstuhl, besonders in den höheren Teilen der Hohlwege und in den Einschnitten der verschiedenen Kammübergänge an ausgedehnten senkrechten Wänden wiederholt Gelegenheit, diese Gebilde zu zeichnen und dabei folgende Beobachtungen anzustellen. Der jüngere Löß ist, wie eben gesagt, unregelmäßig strichweise von diesen Röhren durchzogen, welche in ihrer wirklichen Gestalt gar nicht leicht zu ermitteln sind. Ein Präparieren z.B. mit einer Nadel an Ort und Stelle ist wegen des sandigen Zerfalls ausgeschlossen. Ebensowenig gelingt ein Imprägnieren gesammelter Stücke, erstens weil beim Transport die Kanäle sich mit Staub verstopfen, zweitens weil bei Berührung mit irgendeiner Flüssigkeit der feine Löß zerfällt und die meisten Stengelchen mit ihm. Zum Imprägnieren solcher Stücke mit geschmolzenem Wachs unten der Luftpumpe fehlten mir die Apparate. ...