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Die paläogeographische Bedeutung der oberbayerischen Molasse.

Lebling, Clemens

Kurzfassung

Vor drei Jahren ist eine Arbeit des Verfassers erschienen, die denselben Gegenstand behandelt wie die vorliegende, doch von geographischen Folgerungen absieht. Der wesentliche Inhalt jener Arbeit war: die Molasse greife vom Vorland auf die Kalkalpen über, und: die Vorland-Molasse sei deshalb nicht durch Überschiebung von den Kalkalpen getrennt. Durch neuere Arbeiten ist die erste Annahme ausgebaut, die zweite widerlegt worden. Für die Erkenntnis der früheren und der heutigen Formgestaltung ist der heutige Stand der Erforschung von ziemlicher Bedeutung. Die auf Schlosser zurückgehende, von mir nur erweitere Annahme, daß die Angerberg-Schichten des Inntals echte Molasse seien, wird durch Boden in einer Weise bestätigt, die sicher für alle Beteiligten überraschend ist. Boden beweist 1., daß die meisten Gerölle der oberbayerischen Oligozän-Molasse ortsfremd, nicht kalkalpin sind; so werden Weithofers und Ampferers alte Vermutungen der Ortsfremdheit bestätigt; die Gerölle bestehen hauptsächlich aus unbekannten Kristallin und Dolomiten; 2. daß genau dieselben auch in der Inntaler Molasse vorkommen. Ich hatte aus der Verwandtschaft der voralpinen und der Inntaler Molasse geschlossen, daß beide aus dem S, den Mittelalpen, in den gleichen seitlich verknüpften Strombetten abgelagert worden seien; Boden nimmt an, daß eine zwischen dem Vorland und dem inneralpinen Bereiche gelegene Barre nach S und nach N Molassegerölle entsandt habe. Winkler hingegen tritt für meine Auffasssung ein; man könnte in seinem Sinne Boden entgegenhalten, daß helvetische Gerölle in der Inntaler Molasse fehlen, und daß der endliche Ablauf des südwärts geströmten Wassers nach O (Untersteiermark) oder W (Allgäu) erst durch Geröllfunde belegt werden müsse. Wir haben also für den Beginn der aquitanen Zeit folgende paläogeographische Zustände anzunehmen: Im S liegt das Grauwacken-Gebirge. ...