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Was nützt die Variationsstatistik der Paläontologie?

Klähn, Hans

Kurzfassung

Mit Absicht habe ich zur nochmaligen Prüfung des Wertes der Korrelationsreviere für die Paläontologie zwei verhältnismäßig gut bekannte Tiergruppen aus dem Vertebraten- und Invertebratenstamm herausgegriffen. Es zeigt sich, daß die quantitative Analyse die qualitative Analyse zu unterstützen, daß sie die subjektiv gewonnenen Resultate auf eine sichere Basis zu stellen vermag. Was nun die Vertebraten anbelangt, die in diesem Aufsatz die Hauptrolle spielen, so tritt bei den behandelten Proboscidiern der Wert der Variationsstatistik, insbesondere derjenige der Korrelationsreviere, deutlich hervor. 1) Bei den Palaeomastodonten und Mastodonten heben sich zwei Subgenera oder Reihen hervor, 2) die Spezies werden scharf getrennt, 3) bei den Mastodontenarten heben sich noch je zwei Rassen heraus. 4) Durch die gleiche Richtung der Korrelationsreviere der Palaeomastodonten bzw. Phiomien und der zygo- bzw. bunolophodonten Mastodonten wird die Entwicklung der letzteren aus den ersteren sehr wahrscheinlich gemacht. 5) Es tritt die gesonderte Entwicklung der turicensis-Borsoni-Reihe aus Palaeomastodon und diejenige der Mastodon angustidens-longirostris-arvernensis-Reihe aus Phiomia deutlich hervor. 6) Die Sonderstellung einiger Zähne läßt sich deutlich erkennen (Mast. steinheimensis, austrogermanicus und gigantorostris). 7) Der Raum zwischen den oligozänen Palaeomastodonten (einschließlich Phiomien) und Mastodonten deutet auf die Existenz noch nicht bekannter Proboscidiertypen hin. 8) Auch bei den Steinheimer Planorben wird der Übergang fester, auf bestimmte Zonen beschränkter ,Etwas" durch die Korrelations-Diagramme bewiesen. Ich möchte den kurzen Ausführungen noch hinzufügen, daß eine variationsstatistische Behandlung von fossilem Material nur dann von Bedeutung ist, wenn der geologische Komplex, aus dem es stammt, bekannt ist. Weiterhin möchte ich betonen, daß die Variationsstatistik wohl den Phänotypus zu erfassen vermag, daß sie aber über den Genotypus nichts auszusagen vermag. Die Bedeutung liegt vielmehr in der exakten quantitativen Erfassung der ,Etwas" und in der Möglichkeit, die phylogenetischen Beziehungen zwischen den Vertretern einer wirklichen Stammreihe genauer zu belegen als bisher. Über das Wesen einer Art oder Varietät vermag die Variationsstatistik keinen Aufschluß zu geben, ebensowenig über das Wesen der Entwicklung. Sie zu begreifen ist nicht Sache der beschreibenden oder exakten Naturwissenschaft, sondern die der Philosophie.