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Der heutige Stand des Riesproblems.

Bentz, A.

Kurzfassung

Das Nördlinger Riesproblem hat in den letzten Jahren in der geologischen Literatur vielfache Beachtung gefunden; eine größere Anzahl von Arbeiten befaßte sich mit diesem früher so heiß umstrittenen Gebilde. Als erfreuliche Tatsache kann festgestellt werden, daß sich weitaus die größte Anzahl dieser Arbeiten bemüht, die Grundlagen unserer Kenntnisse der Riesgeologie rein sachlich durch geologische Kartierungen in großen Maßstäben oder in Schilderung wichtiger Aufschlüsse und Profile zu fördern. Die Fülle der neuen Erkenntnisse ist es vielleicht gerade, die die Diskussion über strittige Punkte leidenschaftsloser und damit fruchtbringender gestaltete. Diese neuen Ergebnisse, gestützt durch Untersuchungen, die ich zusammen mit W. Ahrens im Frühjahr 1928 anstellen konnte, und ferner hochinteressante Ergebnisse von Drehwagemessungen, die K. Jung ganz unabhängig von irgendeiner geologischen Lehrmeinung durchführte, scheinen nun ein so einheitliches Bild zu ergeben, daß ein Rückblick auf das bisher Geleistete und ein Ausblick auf die neuen Wege der Riesforschung versucht sei. Das Hauptproblem, das die Riesforschung der letzten Jahre zu klären hatte, ist das der Entstehung und Lagerung der Bunten Brekzie. Nachdem sich deren Deutung als diluviale Moräne als unrichtig herausgestellt hatte, ist ihre vulkanische Entstehung nie mehr bezweifelt worden, und die Frage ist nur die, ob dieses höchst eigenartige Gestein autochthoner Entstehung ist oder als ortsfremde Massen viele Quadratkilometer weit das Vorries bedeckt. In engem Zusammenhang mit der Beantwortung dieser Frage steht das weitere Problem, in welchem Umfange wir tektonische Bewegungen vor und nach Ablagerung der Bunten Brekzie anzunehmen haben. 1. Entstehung der Bunten Brekzie. Branca und Fraas haben durch Abteufen eines Schachtes auf dem Buchberg bei Bopfingen zum erstenmal den Nachweis geführt, daß die Aufpressungshypothese von Quenstedt, zu der sich in einer etwas modifizierten Form auch Koken bekannte, den Beobachtungstatsachen nicht gerecht wird. Sie erkannten, daß die ganze Scholle des Buchbergs sowie die der Beiburg vom Ries her geschoben ist und durch eine pseudoglazial gekritzte Schliffläche einer alten Landoberfläche auflagert. Bereits in ihren ersten Arbeiten erkannten diese Forscher die wurzellose Lagerung der Bunten Brekzie am Riesrnda und dessen unmittelbaren Umgebung und deuteten sie durch Abgleiten von ihrem hypothetischen Riesberg. Die Weißjuragriese, die im südlichen Vorries weite Strecken bedecken, sollten dagegen autochthoner Entstehung sein. Ihre Zertrümmerung wird erklärt durch den ,Druck" eines im Untergrund eingedrungenen Lakkolithen, durch Losbrechen aus dem festen Gestein der Umgebung und durch Einwirkung zerstörender Erdbeben. ...