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Der marine Ursprung des Toten Meeres und seine Salze.

Blanckenhorn, Max

Kurzfassung

Die Entstehung des Toten Meeres und die Herkunft seiner Salze bilden von jeher bis in die neueste Zeit ein viel erörtertes Problem. Handelt es sich um einen sogenannten Reliktensee, der ursprünglich mit dem Ozean zusammenhing, dann abgetrennt wurde, oder einen echten kontinentalen Binnensee, dessen auffallend hoher und eigenartiger Salzgehalt aus seiner kontinentalen Umgebung zugeführt und in dem ariden Klima festgehalten wurde? Besonders Lartet, Rud. Credner und ich selbst haben diese Frage und die Literatur darüber nach allen Richtungen besprochen und dahin beantwortet, daß jedenfalls in der natürlichen Fortsetzung der Jordantalspalte, des Ghôr, nach S zum Roten Meere hin keine Spur einer ehemaligen Verbindung in Gestalt mariner Ablagerungen der posteozänen Zeit nachzuweisen wäre. Da auch die weitere Erforschung des Gebiets zwischen Rotem und Totem Meer nichts dergleichen zutage gefördert hat, besteht jene negative Entscheidung auch heute noch zu recht. Trotzdem bleiben gewisse Tatsachen bestehen, die immer wieder auf einen marinen Ursprung des Toten Meeres hinweisen und sich nicht gut anders erklären lassen. Darauf hat neuerdings u. a. wieder der Ingenieur Stefan Loewengart in einem kurzen Aufsatz hingewiesen. Diese Tatsachen sind: 1. Gewisse marine Typen der heutigen Fischfauna des Genezarethsees; 2. der ungewöhnlich hohe Bromgehalt der heutigen Salzlauge des Toten Meeres; 3. das Steinsalzlager am Djebel Usdum und 4. die bedeutenden Gipsablagerungen an verschiedenen; Stellen des Ghôr teils am Ufer des Toten Meeres, teils im mittleren Jordantal. In bezug auf den ersten Punkt, die teilweise Übereinstimmung der Fauna des Genezarethsees mit der des Mittelmeeres läßt sich vorläufig; auf zwei zur Familie der im Mittelmeer verbreiteten Blennioidei gehörige Schleimfische Blennius lupulus Bonaparte und B. varus Risso hinweisen. Mein früherer Reisegenosse, der Zoologe I. Aharoni in Rehoboth, macht mich noch brieflich darauf aufmerksam, daß ein Flußfisch Tilapia (früher irrtümlich Chromis) Zillii Gervais außer im Genezarethsee noch im Nahr Rubin im N von Jaffa ganz nahe seiner Einmündung ins Mittelmeer vorkommt. Was den hohen Bromgehalt des Toten Meerwassers betrifft, so wird Derselbe nach Loewengart von keiner der uns bekannten natürlichen Salzsohle erreicht. Er ist 51/2 mal so stark als im Mittelmeerwasser. Das Verhältnis des im Toten Meer enthaltenen Br zum Cl ,beträgt in der Oberflächenlösung des Toten Meeres 1 : 130 (im Mittelmeer 1 : 645)" und ,erreicht in einer Seetiefe von 300 m sogar den exorbitanten Wert von 1 : 56". ...