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Geophysikalische Probleme des Rieses.

Reich, H.

Kurzfassung

Bei der Behandlung des Riesproblems wurden schon von Branca und Fraas (1) geophysikalische Tatsachen als Beweismaterial verwendet. Durch die Haussmannschen (2) magnetischen Messungen waren erhebliche magnetische Störungen im Ries und seiner Umgebung bekannt geworden, die die oben genannten Autoren im Sinne ihrer Lakkolithentheorie deuteten. Später wurden Messungen der Schwerkraft mit Pendelapparaten von Anding, Zinner und Schütte (3) durchgeführt und ganz neuerdings Schweremessungen mit der Drehwage auf Anregung von Angenheister hin von Jung (4). Es soll im folgenden untersucht werden, wie weit die bisher auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse zur Aufhellung des eigentlichen Riesproblems herangezogen werden können und wie weit sie nur in indirekter Beziehung dazu stehen. Schließlich wollen wir uns die Frage vorlegen, was von der Geophysik aus zur weiteren Aufklärung des Riesproblems geschehen kann. Zunächst sollen die Schweremessungen behandelt werden. Die Pendelmessungen der weiteren Umgebung zeigen, daß das Ries am Rande des Schweredefizits der Alpenrandsenke liegt (Abb. 1). Dieses Vorlandsdefizit ist verschiedentlich diskutiert, ja sein Vorhandensein überhaupt geleugnet (5) worden. Wie dem auch sei: Es bleibt unbestritten, daß nordnordwestlich vom Ries unter der Geoidoberfläche schwerere Massen liegen als südsüdöstlich von ihm. Danach scheint mir die Kossmat-Bornsche (6) Anschauung von dem passiven Herabziehendes Vorlandes durch den einsinkenden Alpenkörper und der damit verbundenen Verdrängung schwereren Materials im Vorland (= der Randsenke) zu Recht zu bestehen. Diese Vorgänge spielen sich jedenfalls in sehr großer Tiefe ab. Darauf weist schon die langsame, gleichmäßige Zu- bzw. Abnahme der Schwerewerte hin. Eine direkte Abbildung derselben in der Oberflächentektonik dürfen wir daher nicht erwarten. Immerhin ist zu beachten, daß sich die durch diese Senkungsvorgänge zweifellos bedingten Meerestransgressionen der Molasse bis zu einer Linie erstrecken, die sich südlich des Rieses, des Steinheimer Beckens und des Uracher Gebietes hinzielt. ...