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Die Dictyonema-Arten des Sadewitzer Kalkes.

Teichert, Curt

Kurzfassung

Der Sadewitzer Kalk ist bekanntlich die größte Scholle von Silurkalk im norddeutschen Flachlande und hat durch Ferd. Roemer 1861 eine monographische Darstellung erfahren. Hierbei beschrieb Roemer eine Dictyonema-Art als ,Dictyonema flabelliforme". Diese Bestimmung war aus dem Grunde merkwürdig, weil Dictyonema flabelliforme die unterste Zone des Ordovizimus charakterisiert, die unter den Sadewitzer Geschieben bestimmt nicht vertreten ist. Diese Bestimmung wurde auch noch von Roemer selbst revidiert. 1897 publizierte Frech das Manuskript Roemers zum letzten überhaupt erschienenen Teile der ,Lethaea palaezoica", in dem auf Grund des 1861 irrtümlich als Dictyonema flabelliforme bezeichneten Fundes die neue Art Dictyonema sadewitzense aufgestellt wurde. Sowohl 1861, wie 1897 wird versichert, daß sich die Art auf mehrere Exemplare begründe. Dank der Freundlichkeit von Herrn Prof. Soergel lagen mir die im Breslauer geologischen Institut aufbewahrten Dictyonema-Funde von Sadewitz - insgesamt vier Stück - zur Ansicht vor, da ich dieselben bei einer in Arbeit befindlichen faunistischen Revision der Lyckholm-Stufe benötigte. Bei der Gelegenheit konnte ich feststellen, daß es sich in Sadewitz um drei verschiedene Arten handelt, von denen zwei ganz fest zu umgrenzen sind. Ein Exemplar konnte an Hand der von Roemer 1861 (Taf. 5, Abb. 4) gegebenen Abbildung, auf die 1897 Bezug genommen wurde, eindeutig als das Original von D. sadewitzense erkannt werden. Da ein weiteres Exemplar dieser Spezies nicht existiert, stellt es gleichzeitig den Typus der Art dar. Drei weitere Stücke gehören einer neuen Art an, die ich Dictyonema roemeri nenne. Schließlich finden sich neben D. sadewitzense auf demselben Gesteinsstück Fragmente, die an Dictyonema rarum Wiman erinnern. Die Heterogenität des von Roemer (und Frech) als D. sadewitzense betrachteten Materials erklärt es, daß Beziehungen von dieser Form zu Dictyonema rarum Wim., Dendrograptus oelandicus Wim. und zu der Gattung Callograptus Hall angenommen wurden. Dadurch hätte D. sadewitzense eine geradezu einzigartige Mittelstellung zwischen einer Reihe völlig heterogener Formen eingenommen. Ich werde sogleich zeigen können, daß das Material eine gute Analyse gestattet, durch welche die Eigenschaften, welche zur Annahme dieser ,Beziehungen" Anlaß gaben, als Eigenschaften von wohlgetrennten Arten erkannt werden können. Dictyonema sadewitzense Ferd. Roemer 1861 Dictyonema flabelliforme F. Roemer, l. c., S. 32, Taf. 5, Abb 4 1897 Dictyonema sadewitzense F. Roemer (emend. Frech), l, c., S. 573-574. ...