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Vergleich unserer Karbonschichtenfolge mit der Rußlands.

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

Beschäftigt mit einer Bearbeitung der karbonischen Leitfossilien, stieß Verfasser allenthalben auf den Gegensatz zwischen kalkigem und nicht kalkigem Oberkarbon. Was entspricht in unsern Profilen den Mosquensisschichten? Zur Klärung dieser Frage geben die Schriften Lebedews neuerdings Aussicht; hinzu kommen seine freundlichen Antworten auf Fragen des Verfassers, für die ihm herzlich gedankt sei. Das Unterkarbon ist im Donjetzgebiet in der Kohlenkalkfazies Westeuropas ausgebildet und läßt sich in Etroeungt, Tournai, Untervisé und Visé gliedern, wobei das Maximum der Kalkbildung im Visé liegt. Nach scharfer Grenze folgt eine Serie von 500 m Mächtigkeit mit Schiefern, Sandsteinen und den Flözen 1-2. An Fossilien finden sich u. a. Eumorphoceras reticulatum und Pecopteris aspera. Nur dadurch, daß noch Productus giganteus und andere Visé-Brachiopoden vorhanden sind, sah man sich bisher gehindert, dieser Serie und der entsprechenden Serpuchowstufe des Moskauer Beckens namurisches Alter zuzuerkennen. Bedenkt man aber, daß man die Brachiopodenfazies des Namuriums ja bisher gar nicht gekannt hat, so verliert dieser Einwand sein Gewicht. Übrigens zeigen sich auch die Korallen (Caninia und Lonsdaleia) des Serpuchow gegenüber den Viséformen fortentwickelt durch ihre septenloss Randzone. Gegen die Vertretung des Namuriums durch die erste der sechs Mosquensis-Teilzonen (Flöze 3-9) sprechen Gastrioceras subcrenatum und listeri, und Pflanzen und Muscheln aus der Nachbarschaft dieser Goniatitenschicht lassen auch unteres Westfalium zu. Allerdings stammen die Goniatiten aus dem Hangenden von Flöz 8, so daß noch gut 500 m dieses Abschnittes (C1a2 Lebedew) namurisch sein könnten. Unserm Westfalium A dürfte der Abschnitt von Flöz 8-13 entsprechen; Pterinopecten papyraceus, bei 8 typisch, tritt bei 13 in einer neuen Mutation auf. Als Äquivalent des Westfalium B kommt ein flöz- und fossilarmer Komplex von 800 m in Betracht, der untere und obere Mosquensisschichten scheidet. Eine C-Flora mit Neuropteris rarinervis u. a. soll bei Flöz 21 vorhanden sein, bei 26 wurde Anthracoceras aegiranum festgestellt, und etwas höher beginnt Neuropteris (Mixoneura) ovata, die ja auch bei uns den oberen Teil von C kennzeichnet. Etwas störend ist es, daß N. ovata noch etwa 1000 m in die bisher als stephanisch angesehenen Supramosquensis-Schichten hinaufgeht; Zalesskys Vorschlag, diesen ganzen Abschnitt ins Westfalium zu versetzen, erscheint nach Lebedew höchstens teilweise annehmbar, und es dürfte dabei bleiben daß die Flözführung (Fl. 29) in das Stephanium hinaufgeht. ...