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Paläobotanik und Ruhrkarbon.

Gothan, W.

Kurzfassung

Es soll in dem Vortrag meine Aufgabe sein, wenn auch nur in kurzen Zügen, etwas über die Rolle zu sagen, die die Paläobotanik in der Geschichte der Geologie des Ruhrkarbons und - kann man gleich sagen - seiner benachbarten Gebiete gespielt hat. Es ist eigentlich schon seit 50 und mehr Jahren außer Zweifel, daß die fossilen Pflanzen zur Vergleichung des Alters der Schichten der verschiedenen Karbonbecken sich als brauchbar erwiesen haben. Ja sie sind oft das einzige Hilfsmittel, das man hat, wenn nämlich andere - wie die Süßwasser- und Meeresfauna - versagen. Diese sind ja nur in einem Teil der Kohlenbecken überhaupt vorhanden; was immer da ist, sind Pflanzenfossilien. Im Jahre 1892 (auch wohl noch später bei anderen) konnte man bei Runge ,Das Ruhrsteinkohlenbecken" lesen (S. 86): ,Betreffs der Pflanzenreste sind bisher keine Unterschiede bei den hier erwähnten fünf Flözetagen des Ruhrbeckens wissenschaftlich festgestellt". Er bezieht sich dabei auf die Arbeit von Röhl aus dem Jahre 1868; er hat noch die Ibbenbürener Schichten als gleichaltrig mit der westfälischen Magerkohle. Wenn er andere Arbeiten, z. B. Achepohls und besonders die von Zeiller in Frankreich und die Weiss-Potoniéschen Arbeiten in Deutschland gekannt hätte, hätte er schon damals diese Meinung nicht mehr aussprechen können. Bleiben wir gleich bei dem Fall Ibbenbüren stehen. Dieses losgerissene Stück Karbon hat ehemals sicher mit dem Ruhrkarbon zusammengehangen. Potonié und Cremer, deren Arbeit über die Farne des Ruhrkarbons im Jahre 1893 erschien, wiesen nach, daß im Gegensatz zu früheren Meinungen das Ibbenbürener und das Osnabrücker Karbon (Piesberg) jünger als die im Ruhrrevier überhaupt bekannten Steinkohlenschichten sei, also auch jünger als die Gasflammkohle. Das geologische Alter des Ibbenbüren-Piesberger Karbons wurde vorher nach dem Schema des Gasgehalts der Kohle beurteilt, und demgemäß auch von Runge mit der Magerkohle des Ruhrreviers für gleichaltrig gehalten. Die Flora zeigt eindeutig, daß ganz junge Schichten, nämlich die des Westfälischen C im Sinne der Heerlener Konferenz von 1927, vorliegen müssen. Nachdem sich diese Erkenntnis durchgerungen hatte, glaubte man nun wiederum, daß zwischen den höchsten Schichten der Gasflammkohle, die durch Bergbau noch gegen 400 m über dem Ägir-Niveau aufgeschlossen wurden, und dem Ibbenbüren-Piesberger eine Lücke bestehe, da man noch nie im Ruhrrevier selbst die charakteristischen Formen der Ibbenbüren-Piesberger Kohlenflora gefunden hatte. In einer tiefen Bohrung im Ibbenbürener Gebiet (Ibbenbüren IV), die zum erstenmal dort Schichten durchbohrte, die bedeutend tiefer als die bisher dort bekannten waren, traf man einen marinen Horizont, der von Haack und mir als ,Neptun" bezeichnet wurde. Man hielt ihn also für bedeutend höher als das Ägir-Niveau. Um aber sicher zu gehen, begann ich im Ruhrrevier in den Gruben mit der hohen Gasflammkohle (Flammkohle Oberste Brink und Bärtling) selber zu sammeln, und siehe da, bald hier, bald da, kamen die vermißten Formen der Ibbenbüren-Piesberger Karbons zum Vorschein, nicht zum geringsten durch die Unterstützung seitens einiger Herren im Ruhrrevier selbst (Honermann-Baldur, Gibbels + - Lohberg). Auf Grund der Übereinstimmung in der Flora konnte man nunmehr Aegir-Niveau mit dem Neptun-Niveau gleichsetzen. ...