Original paper

Über Grundbegriffe der Stratigraphie.

Pia, Julius

Kurzfassung

Die Vorarbeiten zu meinem heutigen Vortrag sind gegen meine ursprüngliche Absicht zu einem kleinen Buch angewachsen, das in den nächsten Monaten bei F. Deuticke in Wien erscheinen wird. Aus seinem Inhalt kann ich in der mir zur Verfügung stehenden schwachen halben Stunde selbstverständlich nur eine Auswahl vorbringen. Es schien mir besser, mich dabei auf einen wichtigen Punkt zu beschränken, statt vieles flüchtig zu streifen. Wenn trotzdem manche meiner Bemerkungen unklar oder wenig überzeugend sind, bitte ich, dies durch die beschränkte Zeit zu entschuldigen und mit einem abschließenden Urteil ein paar Monate - bis zur Kenntnis der ausführlichen Arbeit - zurückzuhalten. Heute möchte ich in den Mittelpunkt meiner Ausführungen die Frage stellen, wie sich die Zonen zur geologischen Zeitrechnung verhalten. Nur wenige Worte muß ich vorausschicken, um meinen allgemeinen Standpunkt zu kennzeichnen. Die Stratigraphie möchte ich als die Lehre von der Einteilung der Gesteine - sowohl der Sedimente als der Erstarrungsgesteine - bestimmen, soweit es sich nicht um rein petrographische Untersuchungen handelt. Diese gehören wegen der besonderen für sie notwendigen Methode zu einer eigenen Wissenschaft. Es gibt mehrere Gesichtspunkte, nach denen die Stratigraphie die Gesteine einteilt. Die folgenden vier scheinen mir derzeit die wichtigsten und alle gleich unentbehrlich zu sein. 1. Die fazielle Einteilung nimmt keine Rücksicht auf das Alter. Sie faßt die Gesteine nach der lithologischen Beschaffenheit, dem Auftreten in der Erdkruste, dem Fossilinhalt und der daraus erschließbaren Art ihrer Entstehung zusammen. Alle Merkmale der Gesteine sind entweder solche des Alters, oder der geographischen Provinz, oder der Fazies, oder der Erhaltung. Beispiele für fazielle Einheiten sind die Flyschfazies, die Adneter Fazies, die Korallriffazies usw. usw. 2. Die paläontologische Einteilung liefert - wenn man von den zur Fazies gehörigen ökologischen Einheiten absieht - biostratigraphische Einheiten, die ich durchweg als Zonen bezeichne. Sie sind teils Faunenzonen, teils Biozonen (Artzonen, Gattungszonen, Familienzonen usw.). Bisher wurde allgemein angenommen, daß die Faunenzonen oder die Artzonen die kleinsten Einheiten des chronologischen Systemes sind, so wie die biologischen Arten die natürlichen kleinsten Einheiten des Systems der Organismen sind, obwohl sie ihrem Wesen nach - nicht nur der Größe nach - etwas anderes als die Gattungen und Familien sind. Das halte ich für unrichtig. Die biostratigraphische Einteilung läuft vielmehr selbständig neben der chronologischen. Ich werde darauf sogleich näher eingehen. ...