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Zur Frage des Alters der tektonischen Bewegungen in den südlichen Kalkalpen (westlich des Tagliamento).

Teichmüller, Rolf

Kurzfassung

Zusammenfassung und vergleichende Übersicht: 1. Im Tessin ist die Faltung des Grundgebirges vor der Ablagerung des Westfals beendet. Es ist die Frage offen zu lassen, ob zwischen dem Mittleren Oberkarbon von Manno und dem Verrucano von Arosio eine Diskordanz liegt. 2. Die bisherigen Beweise für innerpermische Orogenesen in den Südalpen sind nicht aufrecht zu erhalten. 3. Auch für triadische Orogenesen fehlt der Beweis. Lokale Aufarbeitungen lassen sich zwar erkennen, so vor allem an der Basis der Raibler Schichten und des Oberen Rhät, aber auf Orogenesen kann aus ihnen nicht mit Sicherheit geschlossen werden. 4. Weit verbreitet sind etwas stärkere Bewegungen an der Grenze von Trias und Jura. Bei Arzo ist das Ausmaß der Verbiegungen und der vorjurassischen Erosionsleistung geringer, als kürzlich noch angenommen worden ist. Auch im Mittleren und Oberen Lias sind Brekzien von lokaler Bedeutung häufig. Neu aufgefunden und verfolgt wurde ein mächtiges Konglomerat im obersten Lias der Alta Brianza. Ebenso ist es zu Beginn des Tithons zu erheblichen Aufarbeitungen gekommen. Bei Ballino wurde zwischen den Aptychenschiefern des Kimmeridge (?) und der Majolika eine Diskordanz von 30-40° beobachtet, aber auf Anlagerung zurückgeführt. Es sind also ausgedehnte Aufarbeitungen und Lücken im Jura der westlichen Südalpen vorhanden, die zusammen mit Strandablagerungen (auch im höheren Jura) zeigen, daß von einer stetig bis zum Malm fortschreitenden Meeresvertiefung hier nicht die Rede sein kann. 5. Bereits vorcenoman scheint zum Teil die weitverbreitete Lücke und Diskordanz unter der Scaglia zu sein. Die Transgression des Senons mit riesigen Blockbrekzien über einen nachunterkretazisch gestörten Untergrund konnte an der Brenta in allen; Einzelheiten verfolgt werden. Die häufigen Konglomerateinschaltungen im lombardischen Flysch des Santon deuten vielleicht auf entsprechende Bewegungen und beweisen, daß zu dieser Zeit die Sedimentationsräume des Süd- und Oberostalpins wenigstens teilweise durch eine Schwelle getrennt waren, in der jedenfalls schon das Perm der Erosion zugänglich war. 6. Nur geringfügig scheinen die orogenen Bewegungen an der Scaglia-Eozängrenze gewesen zu sein. Bei Malcesine wurde zwar zwischen Scaglia und Eozän eine Diskordanz von 20° festgestellt, sie ist aber unter den geschilderten Sonderverhältnissen für eine Orogenese nicht sicher auswertbar. Auch postlutetisch-vorpriabone Bewegungen sind zwar nachweisbar, scheinen aber kein größeres Ausmaß gehabt zu haben. Im Oligozän muß jedoch nahe der Judikarienlinie immerhin bereits Kristallin freigelegen haben. Eine nicht unbedeutende Faltung ist in Ostvenetien durch die von Stefanini aufgezeigte Diskordanz zwischen Mitteleozän und Burdigal nachweisbar. Im Tessin war die Faltung in den innersten Teilen bereits zur Zeit der Entstehung der wohl jungmiozänen Nagelfluh beendet. Die Hauptfaltung in den südlichen Kalkalpen westlich des Tagliamento scheint aber jene gewesen zu sein, die die Bildung der mächtigen jungmiozänen und pontischen Konglomerate eingeleitet hat. Sie war bei Como und Salo vor dem Mittleren Pliozän abgeschlossen, während sie bei Cornuda noch das Piacentin ergriffen hat, wie Dal Piaz zeigte. Schließlich sind auch jüngere, quartäre Bewegungen nachweisbar, doch ist ihre Intensität trotz gegenteiliger Behauptungen nur gering gewesen. 7 Eine Auswertung der morphogenetischen Untersuchungen für den Ablauf der jungen Krustenbewegungen scheint vorläufig noch nicht angebracht zu sein. ...