Original paper

Beobachtungen über den ,Geschiebelehm und seine Auswaschungsprodukte" auf den Blättern Hamersleben und Schöningen der geologischen Karte 1 : 25 000 und ihre Bedeutung für die Gliederung und Kartierung des norddeutschen Diluviums.

van Werveke, Leopold

Kurzfassung

Als Hochflächensande sind in den Erläuterungen zu den von der Preußischen Geologischen Landesanstalt herausgegebenen Blättern der Geologischen Karte 1 : 25 000 sandige und kiesige Bildungen bezeichnet, von denen angenommen ist, daß sie teils als Vorschüttungsbildungen von den Gletscherwassern abgesetzt und dann von dem vorrückenden Geschiebemergel überdeckt worden sind, also unter diesem liegen, teils aber den Geschiebemergel überlagern, den beim Rückzuge des Gletschers abfließenden Wassern ihre Enstehung verdanken und deshalb als Rückzugssande benannt sind. Auf den Karten sind beide Bildungen mit derselben Grundfarbe und derselben weiteren farbigen Bezeichnung eingetragen, eine Trennung ist als undurchführbar erkannt worden. Ich selbst konnte bei meinen Untersuchungen keine Rückzugsbildungen erkennen, mehrfach dagegen unmittelbar auf dem Geschiebemergel Absätze aus Süßwasser (Seekreide und Faulschlamm) oder Schotter aus einheimischen Wasserläufen. Häufiger aber folgen Vorschüttungsbildungen einer neuen Vergletscherung auf den Geschiebemergel der vorausgegangenen Eisbedeckung. Bei dieser Gegensätzlichkeit der Auffassungen war es mir sehr wichtig, auf den neu erschienenen Blättern Hamersleben und Schöningen und in den zugehörigen Erläuterungen greifbare Anhaltspunkte zur Prüfung der Frage zu finden, inwieweit tatsächlich Rückzugsbildungen vorhanden sind. Nach den Erläuterungen zu dem Blatte Hamersleben gehören die Sande und Kiese sowie der Geschiebemergel der Mittleren (Haupt-)Eiszeit, also der vorletzten Eiszeit, an; Anzeichen einer älteren Vereisung sind nicht vorhanden (S. 14). ,In der letzten Zwischeneiszeit und in der Nacheiszeit sind die Grundmoränen unseres Gebietes durch Verwitterung, Abtragung und Auswaschung in ihrer Zusammensetzung und Mächtigkeit sehr stark verändert worden. Wenn wir heute auf den älteren zutage tretenden Formationen, wie am Haarstrang, verstreute nordische und einheimische Geschiebe finden, so müssen wir sie als letzte Aufbereitungsreste einer ehemals vorhandenen, abgewaschenen Geschiebemergeldecke deuten; das gleiche gilt auch für die sog. Schottersohle, die man in unserem Gebiet recht häufig an der Basis des Lößes antrifft". ,Häufig ist die Zerstörung des Geschiebelehms nicht so weit gegangen, sondern es ist, teils durch die Gletscherwässer, teils durch spätere Denudationsvorgänge an manchen Stellen die Geschiebelehmdecke ganz oder teilweise ausgeschlemmt worden, derart, daß strukturlose oder kreuzgeschichtete sandige Massen, z. T. mit geringem Lehmgehalt und mit Geschieben, entstanden; ferner teils für sich, teils mit ihnen wechsellagernd, Kiese, Schotter und Geröllpackungen. Diese sind auf der Karte mit dg bezeichnet." In ihrer Lagerung sollen also die Sande und Kiese jünger als die Grundmoräne und aus ihr hervorgegangen sein, einerlei ob diese stark oder wenig umgelagert und ausgewaschen ist. ...