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Eiszeitböden im Riesengebirge.

Geller, Johannes F.; Schüller, Arno

Kurzfassung

Gelegentlich einer Exkursion, die die beiden Verfasser im September 1929 in das Riesengebirge unternahmen, konnten sie hier ein Vorkommen typischen diluvialen Strukturbodens feststellen, das bisher noch nicht bekannt war, und das für die diluviale Gestaltung des Riesengebirges oberhalb der Karzone eine erneute Diskussion erfordert. Schon 1914 wurden von B. Högbom (3) gewisse Bodenformen des Granitgebietes für fossil, diluvial erklärt, deren arktischer Charakter in neuerer Zeit jedoch mit Recht angezweifelt wurde (W. Penck, 5). Sie erheischen heute nach Auffindung sicherer arktischer Strukturböden im Riesengebirge erneutes Interesse. Zunächst seien jedoch die neuen Funde beschrieben. Von W her bis zum Hang der Schneekoppe bildet der Granit den Baustein des Gebirges. Die Schneekoppe selbst besteht aus kontaktmetamorphen Gesteinen. Ihre Hänge sind im allgemeinen 15-20° geneigt, am Abfall zum Riesen- und Melzergrund mehr, und von Blockschutt überstreut, unter dem das anstehende Gestein nicht allzu häufig hervortritt. Nach E zu wird der Kamm des Gebirges längs der Reichsgrenze gegen die Tschechoslowakei aus Glimmerschiefern und einigen Gneispartien aufgebaut. Bis über 1300 m bedecken mehr oder weniger dichte Fichtenbestände die Hänge und Rücken, gegen 1400 m treten auch die Latschen nur noch schütter auf. Größere Strecken fast vegetationslosen Bodens dehnen sich auf dem Rücken aus, der die Schwarzkoppe (1407 m) mit der Schneekoppe verbindet. Der Boden wird hier von einem Blockfeld gebildet, das auf dem Rücken nur geringe Böschung aufweist, nach N aber steil (Neigung zwischen 20 und 60°) zum Melzergrund abfällt. Das Material dieses Blockfeldes besteht vorwiegend aus Glimmerschieferblöcken und -platten von einigen dm3 Größe, zu denen sich jedoch auch, in der Menge stark zurücktretend, kleines Material und wenig braune krümelige Erde zugesellt. Schon bei oberflächlichem Anblick fällt auf, daß die Blöcke und Platten nicht lediglich in seinem Verband gelockertes Gesteinsmaterial in situ darstellten (an der Schwarzkoppe wurde das Streichen der steilstehenden Glimmerschiefer mit N 80° O-S 260° W gemessen), sondern daß hier in gesetzmäßiger Weise das Gesteinsmaterial aus seinem Verbände gelöst und bewegt worden ist. ...