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Ein Wirbeltierrest im Rogenstein.

Dette, Kurt

Kurzfassung

Den feinkörnigen, glimmerhaltigen Sandsteinen und vorwiegend roten Tonen und Letten des Unteren Buntsandsteins sind in ihren oberen Lagen die oolithischen Kalkbänke des Rogensteins eingeschaltet. Diese Kalke werden wegen ihrer weitreichenden Verwendungsmöglichkeiten in großen Steinbrüchen südlich Bernburg an beiden Ufern der Saale abgebaut. Die Arbeiter unterscheiden im ganzen Gebiet die einzelnen Rogensteinhorizonte je nach ihrer Ausbildung mit zum Teil sehr treffenden Namen. So werden die hangenden Bänke als die sechs Obersteine bezeichnet. Im April dieses Jahres (1929) fiel mir beim Absuchen der zu Pflastersteinen zurechtgeschlagenen Blöcke ein Stück Rogenstein aus der Zone des vierten Obersteins auf, in dem ein organischer Rest enthalten ist. Dieser Rogenstein ist sehr feinoolithisch. Makroskopisch sind die einzelnen Ooide überhaupt nicht wahrzunehmen. Ungefähr 2 cm unter dem Fossilrest ist im Gestein eine graugrüne Tonlinse eingeschlossen. Das Stück Rogenstein ist im Meißnerschen Steinbruch am Westausgange des Dorfes Aderstedt südlich Bernburg gefunden worden. Als besondere Eigentümlichkeit unseres gesamten Unteren Buntsandsteins ist seine ausgesprochene Fossilarmut bekannt. Außer wenigen Estherien-Horizonten finden sich nur spärliche Pflanzenhäcksel, die von Pleuromeia herrühren sollen, und undeutliche Fährtenreste, die vielleicht auf Stegocephalen zurückgeführt werdn können. Der abgebildete Knochen ist der erste Rest eines Wirbeltieres aus dem deutschen Unteren Buntsandstein. Außerdem ist er der erste bis jetzt bekanntgewordene organische Rest aus dem Rogenstein. Es handelt sich bei unserem Fossilrest um eine Sternalplatte eines Stegocephalen, die dreieckigen Umriß besitzt. Beim Vergleich mit Stegocephalenresten aus dem Mittleren Buntsandstein weist sie große Ähnlichkeit mit gleichen Resten von Capitosaurus auf. Nur erreicht der im Rogenstein gefundene Rest höchstens ein Fünftel bis ein Viertel der Größe des Vergledchsmaterials. Es könnte sich also um die Reste eines jugendlichen Tieres handeln. Ob nun der Rest tatsächlich einem jungen Capitosaurus zugehört, oder ob er einem verwandten Tiere wesentlich geringerer Größe zugeschrieben werden muß, wird bei diesem einzelnen Knochenfund nur schwerlich entschieden werden können. ...