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Bettbildung, Abfluß und Geschiebebewegung bei Wasserläufen

Rehbock, Th.

Kurzfassung

Das Thema: ,Bettbildung, Abfluß und Geschiebebewegung bei Wasserläufen", über das ich zu sprechen habe, greift tief in den Arbeitsbereich des Geologen und des Geographen, vor allem aber in denjenigen des im Wasserbau tätigen Ingenieurs ein. Tausende von Ingenieuren, denen in allen Kulturländern die Fürsorge für die Wasserläufe obliegt, haben sich ihr ganzes Berufsleben hindurch auf das eingehendste mit den fließenden Gewässern zu beschäftigen, deren möglichst genaue Kenntnis für sie die Voraussetzung eines erfolgreichen Wirkens ist. Ein gewaltiger Beobachtungsstoff über die Wasserläufe, der sich zum Teil auf Jahrzehnte und selbst auf Jahrhunderte erstreckt, ist denn auch in den Archiven der Strombauverwaltungen und anderer wasserbaulicher Behörden angesammelt worden, und Hunderte von Ingenieuren sind dauernd damit beschäftigt, die schon vorliegenden Beobachtungen zu erweitern und zu vertiefen. Wenn trotz der Fülle der schon geleisteten Forschungsarbeit über zahlreiche Gebiete der Flußkunde noch immer Unsicherheit und Unklarheit besteht und unsere Kenntnis über die Flußbettbildung und das Wesen und Wirken der fließenden Gewässer auch heute noch gering ist, so läßt sich das einerseits aus der Vielseitigkeit und Verwickeltheit der Vorgänge beim Wasserabfluß und der Geschiebebewegung in den Wasserläufen und andererseits aus dem Umstand erklären, daß sich die Erscheinungen im Innern der Wasserströme infolge der meist vorhandenen Trübung des Wassers durch mitgeführte Bodenteile der unmittelbaren Beobachtung mit dem Auge entziehen, und daß auch durch die bis jetzt zur Verfügung stehenden Meßvorrichtungen diese Vorgänge nur sehr unvollkommen aufgeklärt werden konnten. Die Schwierigkeit der Anstellung zuverlässiger Beobachtungen an den natürlichen Wasserläufen hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, die Fragen des Wasserabflusses, der Bettbildung und des Geschiebetransportes an stark verkleinerten Modellen von Flüssen in geschlossenen Räumen unabhängig von der Behinderung durch die Einflüsse der Atmosphäre, von der Trübung des Wassers und unter Ausschaltung vielerlei sonstiger störender Einflüsse zu untersuchen. An den Deutschen Technischen Hochschulen wurden zuerst zu diesem Zweck besondere Anstalten, sogenannte ,Flußbaulaboratorien" geschaffen. Aber auch die Untersuchungen an diesen Anstalten konnten, so wertvolle Ergebnisse dabei auch schon erzielt wurden, doch seither nur einen Teil der noch ungeklärten Fragen befriedigend beantworten. ...