Original paper

Über zwei Gesteine aus rumänischen Ölbohrungen

Stutzer, O.

Kurzfassung

1. Über einen radialstrahlig gefritteten Bohrkern, gefrittet in 640 m Tiefe durch Reibungswärme beim Bohren. Bei meinem letzten Aufenthalt in Rumänien (Ostern 1929) erhielt ich einen Bohrkern, der eigenartige Frittungserscheinungen zeigte. Der Bohrkern stammte von der Bohrung 46 des Ölfeldes Ceptura, und zwar aus einer Tiefe von rund 640 m (639,60-639,80 m). In dieser Tiefe traf die Bohrung einen in Mergeln liegenden Sand, der dem Mäot angehörte, also der untersten Abteilung des Pliozäns, in welcher der größte Teil des rumänischen Erdöls liegt. Das Eigenartige an dem Bohrkern waren Frittungserscheinungen. Die Reibungswärme des Bohrens hatte mit Sand gemischten Bohrschlamm gefrittet, der sich hierbei in kleine sechsseitige Stengel absonderte. Die Stengel liefen radial, wie die Speichen eines Rades, vom Rande des Bohrkerns zur Mitte. Im Zentrum richteten sie sich in etwas gebogener Form auf. Der aufgeschlagene Kern enthielt im Innern eine flache Linse ziemlich lockeren, nicht mit Bohrschlamm getränkten und daher auch nicht zusammengesinterten Sandes. Ein Dünnschliff durch das gefrittete Gestein ließ zur Hälfte der ganzen Masse Quarzkörner erkennen, die in einer trüben, glasigen Grundmasse lagen. Herr Krejci, durch den ich das Stück erhielt, teilte mir mit, daß gefrittete Bohrkerne mitunter gezogen wurden. Der vorliegende Kern sei mit Spülung gewonnen. Bei unrichtigem Bohren dreht der Kern bisweilen in nach unten konvexen flachen Schalen ab. Zwischen diese Schalen dringt Bohrschlamm ein, wobei oft feine und schöne Pseudoschichtung entsteht. Liegen in Mergeln lockere Sande, so wird in den Sanden abgedreht, und es entsteht hierbei mitunter ein Frittungsprodukt. Welche Temperatur war nötig, um ein solches Frittungsprodukt zu schaffen? Eine Beantwortung dieser Frage ist mir nicht gelungen. Ich ließ aber Proben anhaftenden Bohrschlammes in der Porzellanfabrik Freiberg schmelzen. Im Reduktionsfeuer erfolgte Schmelzung zwischen 1140 und 1160 Grad. Ich halte es für ausgeschlossen, daß eine solche Temperatur beim Bohren durch Reibung entstand. Der Wasserdampf des Bohrschlamms hat wohl bei der Frittung eine Rolle gespielt. Mir selbst waren die beschriebenen Erscheinungen neu, und auch in anderen Ölgebieten habe ich bisher nie von derartigen gefritteten Bohrkernen etwas vernommen. Sollte einem der Leser aus anderen Ölgebieten ähnliches bekannt sein, so bin ich ihm für Mitteilung dankbar. Die Tatsache, daß durch Reibungswärme Frittung in einem Bohrkern entstehen kann, ist sicher den meisten Lesern dieser Zeitschrift etwas Neues. ...